ZUERST!-Hintergrund: US-Politologe John J. Mearsheimer: „Wir haben beschlossen, Rußland in der Ukraine zu besiegen“

ZUERST!-Hintergrund: US-Politologe John J. Mearsheimer: „Wir haben beschlossen, Rußland in der Ukraine zu besiegen“

New York. Der renomierte US-Politologe John J. Mearsheimer, emeritierter Professor der Universität Chicago, hat dieser Tage mit Katrina vanden Heuvel, Herausgeberin der US-amerikanischen Wochenzeitschrift „The Nation“, ein Gespräch über den Krieg in der Ukraine geführt, das am 18. April auf der US-amerikanischen Plattform des „American Committee for US-Russia Accord“ (ACURA) veröffentlicht wurde. Inzwischen ist der Wortlaut auch auf mehreren deutschsprachigen Seiten zugänglich. Mearsheimer, der in der Vergangenheit immer wieder vor einer Eskalation in der Ukraine warnte, weist dabei auf brisante Hintergründe der aktuellen Situation hin und macht die amerikanische Seite maßgeblich für den Fortgang des Krieges verantwortlich.

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Der US-Politikwissenschaftler ruft dabei in Erinnerung, daß die NATO-Osterweiterung von Rußland schon von jeher als Bedrohung wahrgenommen worden sei. Er halte auch nichts von der Behauptung, der russische Angriff vom 24. Februar habe seine Wurzeln in „Putins imperialistischem Vorgehen“. Überhaupt lehne er generell die These ab, „daß Wladimir Putin entweder schon von seiner Geburt her ein Aggressor ist oder daß er einfach nur entschlossen ist, die Sowjetunion oder eine neue Version der Sowjetunion wiederherzustellen; er sei ein Expansionist, ein Imperialist.“

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Vielmehr sei es die amerikanische Seite, die ein hochgestecktes geopolitisches Ziel verfolge: „Wir haben beschlossen, Rußland in der Ukraine zu besiegen. Wir werden den Russen in der Ukraine eine entscheidende Niederlage zufügen. Und gleichzeitig werden wir Rußlands Wirtschaft strangulieren.“

Dann macht Mearsheimer einige brisante Aussagen zum derzeitigen Stand des Ukraine-Krieges. Auch wenn sich die offizielle US-Außenpolitik bemühe, nicht in eine offene Konfrontation mit Rußland zu geraten, ist der US-Experte, der sich seit 2001 schwerpunktmäßig mit den internationalen Beziehungen beschäftigt, der Auffassung, „daß wir uns praktisch im Krieg miteinander befinden“. Schlimmer noch: Washington sabotiere zielstrebig jede Möglichkeit eines Friedensschlusses – und ziehe dabei sogar ein aktives Bündnisses mit den tapfer kämpfenden ukrainischen Milizen in der Ukraine in Betracht, sollte die Kiewer Regierung eine Verhandlungslösung anstreben.

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Mearsheimer wörtlich: „Wäre es nicht möglich, daß die Ukrainer selbst sagen, daß es jetzt genug ist, und dem Ganzen ein Ende setzen, wenn sie die Möglichkeit dazu haben? Leider glaube ich nicht, daß das der Fall ist. Ich glaube, daß die USA den Ukrainern nicht erlauben werden, einen Deal zu schließen, der für die USA inakzeptabel wäre. Die ‚Washington Post' hat am Montag  einen Artikel veröffentlicht, der deutlich macht, daß die Regierung und unsere NATO-Verbündeten sehr besorgt sind, daß die Ukrainer einen Deal mit den Russen eingehen könnten, der es so aussehen ließe, als hätten die Russen gewonnen, oder der in Wirklichkeit einräumt, daß die Russen zumindest bis zu einem gewissen Grad gewonnen haben.

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Wir wollen nicht, daß das passiert. Wie ich bereits sagte, ist die Biden-Regierung darauf aus, Rußland eine entscheidende Niederlage beizubringen. Wenn die Ukrainer beschließen, sich auf einen Deal einzulassen und Rußland einen bedeutenden Sieg zuzugestehen, werden die Amerikaner sagen, daß das inakzeptabel ist. Und die Amerikaner werden mit den ultrarechten Nationalisten in der Ukraine zusammenarbeiten, um Selenskyj oder seinen Nachfolger politisch zu untergraben. Ich sehe also keine Möglichkeit, daß die Ukraine eingreifen und diese Krise selbst beenden kann.“

Die Mitschrift des Mearsheimer-Referats ist im deutschen Sprachraum u.a. auf globalbridge.ch abrufbar (https://globalbridge.ch/ukraine-es-ist-ein-krieg-zwischen-den-usa-und-russland). (mü)

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