ZUERST!-Hintergrund: Umstrittenes Massaker in Butscha: Kriegsverbrechen oder Propagandalüge?

ZUERST!-Hintergrund: Umstrittenes Massaker in Butscha: Kriegsverbrechen oder Propagandalüge?

Kiew/Moskau/Butscha. Offenbar basteln westliche PR-Agenturen in Zusammenarbeit mit ukrainischen Propagandaspezialisten gerade an der aktuellen Version des Massakers von Racak – die Bluttat in dem gleichnamigen Dorf im Kosovo hatte 1999 maßgeblich die Mobilisierung des Westens zum Krieg gegen das damalige Jugoslawien befeuert. Das aktuelle Pendant heißt Butscha. In dem Kiewer Vorort sollen russische Truppen vor ihrem Rückzug ein Massaker an der Zivilbevölkerung angerichtet haben. Die Bilder davon gehen um die Welt.

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Laut den örtlichen Behörden sollen fast 300 Leichen in den Straßen gefunden worden sein. Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichten, daß zahlreiche Tote zivile Kleidung getragen hätten. Sie wollen in einer einzigen Straße in Butscha mindestens 20 Leichen gesehen haben. Mindestens einem der Toten waren die Hände gefesselt.

Die Mobilisierung der Weltöffentlichkeit mithilfe des angeblichen „Massakers“ läuft bereits. Der ukrainische Präsident Selenskyj wird mit den Worten zitiert: „Das ist Völkermord. Die Auslöschung einer Nation und seines Volkes.“ Im US-Sender CBS forderte Zelenskyj, daß „alle Verantwortlichen, einschließlich der Befehlshaber, bestraft werden müssen“. Auch der ukrainische Außenminister Kuleba sprach von einem „absichtlichen Massaker“ und forderte weitere Sanktionen. Ersten Reaktionen zufolge zeigen sich Bundesverteidigungsministerin Lambrecht und Bundeskanzler Scholz dafür aufgeschlossen.

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Der örtliche Bürgermeister Anatoly Fedoruk behauptete: „Alle diese Menschen wurden erschossen. Sie haben sie mit einem Schuß in den Hinterkopf getötet.“ Es stünden Autos auf den Straßen, in denen „ganze Familien getötet wurden: Kinder, Frauen, Großmütter, Männer“. Nach Angaben des Bürgermeisters mußten 280 Menschen in Butscha in Massengräbern beigesetzt werden, da die drei städtischen Friedhöfe noch in Reichweite des russischen Militärs lagen.

Sowohl russische Stellen als auch der unabhängige russische Reporter Alexander Koz widersprechen den ukrainischen Darstellungen. Das russische Verteidigungsministerin erwähnt in einer ersten Stellungnahme eine Reihe von Ungereimtheiten in den ukrainischen Verlautbarungen. Es handle sich um eine weitere „Provokation“ der ukrainischen Seite.

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Das Ministerium weist darauf hin, daß es während der russischen Besetzung Butschas zu keinerlei Mißhandlungen gekommen sei; die Einwohner hätten sich zu jeder Zeit frei bewegen und auch den Mobilfunk nutzen können. Die Zufahrtsstraßen zu dem Ort seien zu keiner Zeit gesperrt gewesen. Allerdings wundert man sich in Moskau darüber, daß auch Bürgermeister Fedoruk in seiner ersten Videobotschaft nach dem Abzug der russischen Truppen nicht über die angeblichen Massaker und Leichenfunde berichtet habe.

„Daß Leichen von erschossenen Einheimischen mit zusammengebundenen Händen auf der Straße liegen würden, wurde von ihm (...) keinesfalls angesprochen“, heißt es in der Erklärung des Ministeriums. Es sei deshalb auch nicht verwunderlich, daß alle angeblichen Beweise für russische Kriegsverbrechen „erst am 4.   auftauchten, als Beamte des ukrainischen Sicherheitsdienstes und ukrainische TV-Medien in der Stadt eintrafen“. Auffällig sei auch, „daß alle Leichen, deren Bilder vom Kiewer Regime veröffentlicht wurden, nach mindestens vier Tagen nicht erstarrten, keine charakteristischen Leichenflecke hatten und in den Wunden nicht geronnenes Blut aufwiesen“.

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Auch der russische Kriegsreporter Alexander Koz, der sich bis zum Abzug der russischen Truppen einen Monat lang in der Umgebung von Kiew aufhielt, gelangt zu einer ähnlichen Einschätzung. „Die Taktik der Videoinszenierung erstaunt mich seit Syrien nicht mehr, wo massive Raketenangriffe auf der Grundlage von Inszenierungen der ,Weißhelme‘ beschlossen wurden“, teilte Koz am 3. April mit. Er bestätigt die russische Darstellung, wonach es während der russischen Besetzung des Ortes zu keinerlei Feindseligkeiten vonseiten oder gegenüber den Einwohnern  gekommen sei. Das russische Militär „gab ihnen Trockenrationen und brachte Medikamente (…). Und wenn sie irgendjemanden zwangen, in den Keller zu gehen, dann nur für ihre eigene Sicherheit.“

Zu Gewalttaten sei es dann allerdings nach dem russischen Abzug gekommen. Als das ukrainische Militär schließlich nach einigen Tagen auf den Ort vorrückte, „begann eine ,Hexenjagd‘ auf diejenigen, die mit den ,Besatzungstruppen‘ kollaboriert hatten. In der Hitze des Krieges macht sich niemand die Mühe, nach Beweisen zu suchen, und es tauchen Leichen mit gefesselten Händen auf, die in Brunnen geworfen werden. Nur: Der Zustand der Leichen läßt darauf schließen, daß sie frühestens vorgestern ermordet wurden“ (also am Freitag, 1. April; d. Red.).

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Auch war es die ukrainische Führung, die mit dem Aufruf an alle Zivilisten, zu den Waffen zu greifen und Widerstand zu leisten, bewußt die Grenzen zwischen Soldaten und Zivilisten verwischte.

Andererseits hat gerade die Geschichte bewaffneter Konflikte und Kriege mit Beteiligung russischer/sowjetischer Armeen gezeigt, daß Greueltaten und Massaker an Zivilisten - es sei beispielsweise an Nemmersdorf 1944 oder Metgethen 1945 erinnert - auch heuer nicht ausgeschlossen werden können.

Man darf gespannt sein, was als Nächstes kommt. Mit einer weiteren Eskalation an der Propagandafront ist zu rechnen. (mü)

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