Westliche Militärexperten räumen ein: West-Panzer kommen zu spät und sind zu wenige

Westliche Militärexperten räumen ein: West-Panzer kommen zu spät und sind zu wenige

Kiew/Moskau/Brüssel. Zwischen 100 und 150 Kampfpanzer wollen die NATO-Länder demnächst in die Ukraine schicken. Darin eingerechnet sind auch zunächst 14 deutsche „Leopard“-Panzer. Aber: auf dem Schlachtfeld in der Ostukraine werden sie nicht viel bewirken. Militärexperten weisen darauf hin, daß die russische Überlegenheit schon rein numerisch viel zu groß ist.

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Und Rußland bereitet sich systematisch auf das Eintreffen der Panzer auf dem ukrainischen Kriegsschauplatz vor. In der größten Panzerfabrik der Welt in Nischni Tagil im Ural werden inzwischen rund um die Uhr Panzer gebaut und repariert. Der Ausstoß ist erheblich. „Züge mit Hunderten neuen gepanzerten Kampffahrzeugen rollen in die Ukraine“, weiß der Militärexperte und Ex-Oberst Wolfgang Richter von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Rußland habe noch sehr große Reserven, die offenbar reaktiviert wurden. „Auch wenn es sich nicht um das neueste Material handelt, sind es große Mengen“, so Richter.

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Zu Beginn des russischen Angriffs am 24. Februar 2022 verfügte die Ukraine über die zweitstärkste Panzerarmee Europas nach Rußland. Sie hatte mehr als 1100 aktive Kampfpanzer in ihren Beständen. Durch den Ringtausch wurden die zerstörten Panzer nach und nach durch andere sowjetische Panzer aus Altbeständen des Westens ausgeglichen. Doch diese Möglichkeit scheidet jetzt zusehends aus, da auch die alten Sowjetpanzer in den Depots des Westens zur Neige gehen.

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Den erwarteten modernen Panzern aus dem Westen wollen die russischen Militärplaner mit der traditionellen russischen Panzerdoktrin entgegentreten: durch Masse. Der österreichische Experte und Oberst Markus Reisner erklärte jüngst in einem seiner Videos dazu: „Die russische Doktrin des Panzerkampfes war schon immer eine Doktrin der Masse“. „Man brauche, so die Überlegung, vier russische T‑72, um einen westlichen Leopard zu zerstören“, sagt Reisner. „Drei T‑72 werden zerstört, aber der vierte Panzer knackt den Leopard.“ Diese russische Philosophie hinter der Massenproduktion von Panzern gelte auch heute noch.

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Die russische Armee verfügte zu Beginn des Krieges über rund 3300 Panzer. Von diesen, schätzen westliche Experten, könnten etwa 1300 zerstört worden sein. Reisner hält diese Verluste nicht für existentiell: „Ich schätze, daß Rußland noch zwischen 10.000 und 11.000 Panzer auf Lager hat, die gerade zum Teil repariert werden“, urteilt er. In den nächsten Wochen und Monaten werde Rußland etwa 2000 weitere Panzer erhalten. Damit stünden der Ukraine – und ihren westlichen Unterstützern – bald 4000 russische Panzer gegenüber.

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„Die Russen wissen, daß sie nicht technologisch mithalten können, sondern nur durch schiere Masse“, sagt Reisner und macht deshalb eine Prognose: die russische Seite werde versuchen, möglichst viele Panzer in die Ukraine zu verlegen und anzugreifen, noch bevor die westlichen Kampfpanzer die Ukraine erreichen. „Es ist durchaus möglich, daß die westlichen Panzer zu spät oder in zu geringer Zahl eintreffen.“ (he)

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