Wenn das russische Gas wegfällt: Die Alternative könnte Frieren sein
Berlin. So hatten sich die Bundestagsparteien – die AfD ausgenommen – die „Energiewende“ nicht vorgestellt. Eigentlich wollten sie den Ausstieg aus Kohle und Kernkraft, um so die ambitionierten „Klimaziele“ zu erreichen. Doch daraus wird nichts. Denn die neue Energiewende heißt: weg vom bösen Russengas. Nun muß ganz schnell Ersatz für die russischen Gas- und Öl-Importe her. Aber das ist ein Ding der Unmöglichkeit.
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Problem Nummer eins: um als Ersatz für das preiswerte und vergleichsweise umweltfreundliche Gazprom-Gas aus Rußland teures und umweltschädliches amerikanisches Fracking-Gas (LNG) zu importieren, braucht Deutschland die passenden LNG-Terminals. Derzeit gibt es zwar vier Projekte in Deutschland, aber keines davon ist genehmigt oder befindet sich im Bau. In Brunsbüttel etwa steht der Bebauungsplan im Wege. Selbst wenn 2022 Baubeginn wäre, würde es bis 2027 dauern, ehe das erste Gas angeliefert werden könnte. In Wilhelmshaven wiederum wollte der Energieversorger Uniper einsteigen. Doch der steckt derzeit wegen der Nicht-Inbetriebnahme von Nord Stream 2 in Schwierigkeiten und hat andere Sorgen als den Bau eines LNG-Terminals. Auch im niedersächsischen Stade ist noch nicht einmal der Bauantrag eingereicht.
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Problem Nummer 2: die noch vorhandenen und zum Teil inzwischen heruntergefahrenen Kernkraftwerke in Deutschland können nicht einfach wieder hochgefahren werden oder länger als geplant in Betrieb bleiben. Teils fehlen die Brennelemente für eine verlängerte Betriebsdauer, teils fehlt es am qualifizierten Personal, das bereits im Ruhestand ist. Auch das Atomgesetz müßte geändert werden, ebenso der Umgang mit zusätzlich anfallendem Atommüll.
Problem Nummer drei: die bereits stillgelegten Kohlekraftwerke könnten zwar mit vergleichsweise geringem Aufwand wieder in Betrieb genommen werden. Sie gelten aber als klimaschädlich, weshalb sie von der Ampel-Regierung nur mit spitzen Fingern angefaßt werden. Würde sie sich für eine Wiederinbetriebnahme entscheiden, müßte sie das krachende Scheitern ihrer Klimaziele eingestehen – eigentlich strebt die Bundesregierung den Kohleausstieg für spätestens 2035 an.
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Alles in allem: wenn Deutschland partout auf russisches Gas verzichten will – und eine Mehrheit der Bundesbürger unterstützt diesen Kurs offenbar –, dann wird es mit der „Energiewende“ schwer. Für mindestens vier Winter, haben Experten vorgerechnet, müssen Alternativen zum russischen Gas gefunden werden. Das wird schwer – wenn die Alternative nicht Frieren sein soll. (st)
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