Weil es in Deutschland zu lange dauert: Bundeswehr bestellt deutsche „Boxer“-Panzer in Australien

Weil es in Deutschland zu lange dauert: Bundeswehr bestellt deutsche „Boxer“-Panzer in Australien
Wikimedia/Heldt/Gemeinfrei

Canberra/Berlin. Die Rüstungsmisere der Bundeswehr nimmt immer absurdere Züge an. Jetzt sieht sich das Bundesverteidigungsministerium offenbar gezwungen, Transportpanzer vom Typ „Boxer“, die eigentlich von Rheinmetall und Kraus-Maffei Wegmann (KMW) in Deutschland produziert werden, in Australien anzukaufen, weil es in Deutschland zu lange dauern würde.

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Mehrere hundert Exemplare des 37 Tonnen schweren Radpanzers, der außer bei der Bundeswehr auch in Großbritannien, den Niederlanden, Litauen und Australien im Einsatz ist, will die Bundeswehr anschaffen. Er soll künftig das Hauptkampfsystem der „mittleren Kräfte“ stellen – also gepanzerte Radfahrzeuge als Schützen- und Transportpanzer sowie Artilleriesysteme.

Paradox: ursprünglich kaufte Australien mehr als 200 „Boxer“ in Deutschland. Hersteller Rheinmetall baute dafür in Queensland eine Produktionsstätte auf. Dort sollten weitere Fahrzeuge für Australien gefertigt werden. Doch nun verdichten sich die Anzeichen dafür, daß das australische Werk die nächsten Tranchen des „Boxer“ nicht für die eigenen Streitkräfte bauen wird, sondern für die Bundeswehr.

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Denn: in Deutschland würde die Bundeswehr für die Beschaffung der geplanten gut 400 Stück zwölf Jahre brauchen. So lange will man sich angesichts der veränderten sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen nicht mehr Zeit lassen.

Mit Australien unterhält Deutschland schon seit geraumer Zeit eine gut funktionierende Zusammenarbeit im Rüstungsbereich. So nahm die Luftwaffe letztes Jahr erstmals seit ihrem Bestehen mit sechs „Eurofightern“ an einer Übung in Australien teil. Und 2021 hatte die Bundesmarine bereits die Fregatte „Bayern“ in den Pazifik geschickt, um dort im Rahmen der neuen AUCUS-Allianz gemeinsam mit australischen und anderen Streitkräften zu üben. Noch heuer sollen auch Heereskräfte erstmals an einer Übung in Australien teilnehmen.

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Das „Boxer“-Geschäft ist offenbar bereits weit gediehen. Die australische „Financial Review“ zitierte jüngst den deutschen Botschafter in Canberra, Markus Ederer, mit der Feststellung: „Die deutsche Regierung hat der australischen Regierung ihre Absicht mitgeteilt, in Australien hergestellte Boxer für die deutsche Armee zu kaufen.“ Das Verteidigungsministerium in Berlin bestätigte diesen Sachverhalt. „Es gibt eine Interessensbekundung und Gespräche“, teilte eine Sprecherin mit. Mehr könne derzeit nicht gesagt werden. Botschafter Ederer weiß offenbar mehr: ihm zufolge sollen die ersten „Boxer“ 2024 ausgeliefert und nach Deutschland geliefert werden. (he)

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