Wasser predigen und Wein trinken: EU ist zweitgrößter Vernichter von Regenwald
Brüssel. Mehr Heuchelei geht kaum: die EU verordnet sich und ihren Bürgern zwar strengste Klimaziele – gehört aber weltweit zu den größten Vernichtern tropischer Regenwälder. Satte 16 Prozent der Tropenabholzung gehen auf das Konto der EU – nur China übertrifft diesen Wert noch (24 Prozent). Das geht aus einem aktuellen Bericht der Umweltorganisation WWF hervor. Abonniere jetzt: >> Die starke Stimme für deutsche Interessen
Verantwortlich sind demnach vor allem Produkte, die die EU aus Übersee importiert und für deren Anbau oder Gewinnung Tropenwälder gerodet werden. Die mit Abstand größten Verursacher von Abholzung durch EU-Importe sind dem Bericht zufolge Soja und Palmöl, für deren Anbau oder Produktion Wälder in Südamerika und Südostasien weichen mußten. Dahinter folgten Rindfleisch, Holzprodukte, Kakao und Kaffee.
Unter den EU-Ländern ist ausgerechnet Deutschland für die meiste Abholzung durch Importe verantwortlich: im Schnitt wurde dafür zuletzt pro Jahr eine Waldfläche von 43.700 Hektar gerodet – eine Fläche etwa halb so groß wie Berlin. Nach Einwohnern gerechnet liegt Deutschland allerdings in etwa im EU-Schnitt. Der meiste Wald pro Einwohner wurde für Importe in die Niederlande, nach Belgien und Dänemark abgeholzt.
Der WWF forderte die EU-Kommission nun auf, für bessere und verbindliche Umwelt- und Sozialstandards in den internationalen Handelsbeziehungen zu sorgen. Als ersten Schritt brauche es dazu ein starkes EU-Gesetz für entwaldungsfreie Lieferketten. (mü)
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