Unbewältigte Vergangenheit: Jedes Jahr rund 30.000 Anfragen an das Stasi-Archiv

Unbewältigte Vergangenheit: Jedes Jahr rund 30.000 Anfragen an das Stasi-Archiv

Koblenz. Über 30 Jahre nach dem Ende der DDR, 2021, wurde die Stasi-Unterlagenbehörde offiziell aufgelöst. Ihre Bestände sowie die Mitarbeiter wurden ins Bundesarchiv überführt. Aber: das Interesse an den Dokumenten ist nach wie vor ungebrochen. Für viele Betroffene und ihre Angehörigen ist die DDR-Vergangenheit noch keineswegs aufgearbeitet.

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Pro Jahr gehen rund 30.000 Anträge auf Akteneinsicht beim Bundesarchiv ein. Die SED-Opferbeauftragte des Bundestages, Evelyn Zupke, teilte dieser Tage Zahlen mit: 2022 beantragten exakt 29.064 Bürger Akteneinsicht. Damit blieb die Zahl nahezu unverändert gegenüber 2021 mit 30.603 Anträgen. 7.500mal wurden 2022 Jahr Akten für Sicherheitsüberprüfungen, Überprüfungen von Mitarbeitern im öffentlichen Dienst sowie Rentenangelegenheiten herangezogen. In 2.242 Fällen ging es um Anträge auf Rehabilitation ehemals politisch Verfolgter und Wiedergutmachung.

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Zu dem hohen Aufkommen trugen auch die Außenstellen der ehemaligen Stasi-Unterlagenbehörde wesentlich bei, allen voran Dresden, Erfurt und Leipzig mit jeweils deutlich mehr als 2.000 Bürgeranträgen.

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Seit Ende 1990, dem Beginn der Arbeit des Stasi-Unterlagen-Archivs, sind bisher 7.438.829 (Stand: 31.12.2022) Ersuche und Anträge eingegangen. Darunter sind 3.409.276 Anträge von Bürgern. Im Archiv stehen über 111 Kilometer Schriftgut für die Recherche zur Verfügung. Die Anzahl der vom MfS geführten inoffiziellen Mitarbeiter umfaßte 1989 laut Stasi-Unterlagenbehörde ungefähr 189.000 Mitarbeiter. 1.550 von ihnen arbeiteten in der Bundesrepublik Deutschland. Bei den damals rund 16,4 Millionen DDR-Einwohnern im Jahre 1989 kam statistisch auf 89 DDR-Bürger ein Stasi-Spion. (rk)

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