Ukraine-Krieg: Am 13. Kriegstag steht die ukrainische Armee vor einem Dilemma (aktualisiert)
DMZ-Militärexperte Hagen Eichberger im Interview mit ZUERST!
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Zur militärischen Lage am 8. März
Ukraines Streitkräfte stehen vor einer schwierigen Entscheidung. Rußlands Streitmacht wird in den nächsten Tagen so weit versammelt sein, um massiert auf Kiew vorzustoßen. Bislang stehen russische Truppen in Vororten nördlich, nordwestlich und nordöstlich von Kiew, seit gestern rücken Einheiten aus dem Osten auf die Hauptstadt vor. Derzeit halten drei ukrainische Brigaden eine Verkehrsachse in Richtung Westen, die zentralen Stellenwert für die Nachschublinien nach Lemberg besitzt. "Aus taktischer Sicht wird Rußland versuchen, die Verkehrswege nach Kiew nach allen Seiten hin zu blockieren, strategisch am bedeutsamsten wird jedoch die Abriegelung der westlichen Zufahrtswege in die Hauptstadt sein. Wenn es Moskau gelingt, diese Ader zu kappen, können militärische und auch sonstige Güter des täglichen Bedarfs nicht mehr nachgeführt werden. Die Einkesselung wäre vollendet", so Militärexperte Hagen Eichberger gegenüber ZUERST!
Im Süden der Hauptstadt halten ukrainische Kräfte momentan auch noch einige taktisch wichtige Punkte, die es erlauben würden, Truppen aus dem Südosten der Ukraine abzuziehen und in die Hauptstadt zur Verstärkung zu verlegen, bevor es den Russen gelingt, den Kessel zu schließen. Während russische Quellen berichten, die ukrainische Hauptstreitmacht sei im Osten der Ukraine eingekesselt, gehen westliche Quellen davon aus, daß das Schwergewicht der ukrainischen Bodentruppen im Südosten steht und demgemäß noch nach Kiew abgezogen werden könnte.
Hierzu heißt es in einer NZZ-Analyse, diese ukrainischen Truppen "bilden gegenwärtig einen Riegel entlang der Separatistengebieten und des neu besetzten Raums an der Schwarzmeerküste bis zur Krim. Wird dieses Dispositiv geschwächt, geraten die verbleibenden Brigaden unter zusätzlichen Druck. Russische Angriffe sind aus dem Norden (Charkiw), Osten (Luhansk, Donezk) und Süden (Krim) möglich. Damit könnten die ukrainischen Truppen im Südosten in einen Kessel geraten – und wären dem Gegner ausgeliefert. So käme der Kreml mit verhältnismässig wenig Aufwand der Zerschlagung der ukrainischen Armee, einem der Kriegsziele, einen Schritt näher."
Die ukrainische Armeeführung steht also vor der schmerzlichen Entscheidung, die Kräfte für die angenommene Schlacht um Kiew zu bündeln, aber damit den Osten und den Süden aufzugeben.
"Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums sind 723 Menschen durch den Sumy-Poltawa-Korridor evakuiert worden. Darunter seien 576 indische Staatsangehörige, zitieren russische Agenturen das Ministerium. Der Korridor von Sumy nach Poltawa soll von 9 bis 21 Uhr (Ortszeit; 8 - 20 Uhr MEZ) geöffnet bleiben. Auch die ukrainische Seite bestätigte, dass der Korridor funktioniere." (F.A.Z., 15.19 Uhr) In der Nacht zu Dienstag waren in besagter nordukrainischer Großstadt Sumy bei russischen Luftschlägen zahlreiche Zivilisten und Soldaten getötet worden.
In einem Interview mit dem US-Sender ABC erklärte sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zu Gesprächen über den Status der Oblasten Donezk und Luhansk sowie der Schwarzmeer-Halbinsel Krim bereit. Man werde allerdings nicht so weit gehen, die Unabhängigkeit der selbst ernannten "Volksrepubliken" oder die russische Besetzung der Krim anzuerkennen. „Ich bin bereit für einen Dialog. Aber wir sind nicht bereit für eine Kapitulation.“
Am Abend meldet das russische Verteidigungsministerium, daß in der heftig umkämpften Hafenstadt Mariupol pro-russische Einheiten auf dem Vormarsch seien. Kämpfer der Volksrepublik Donezk seien in das Stadtgebiet vorgedrungen. Die Belagerung der Stadt dauert seit Tagen an, die Versorgungslage der Bevölkerung ist äußerst kritisch. Pro-Russsische Separatisten konnten auch an weiteren Frontabschnitten in der Ostukraine Geländegewinne verbuchen. So sei die Stadt Popasna erobert und ukrainische Einheiten eingekesselt worden. Auch erklärte das Moskauer Ministerium, inzwischen rund 900 ukrainische Panzer und gepanzerte Fahrzeuge zerstört sowie 84 Drohnen vom Himmel geholt zu haben.
US-Militäranalysten gehen davon aus, daß sowohl Rußland als auch die Ukraine noch über den Großteil ihrer in der Ukraine versammelten Kampfkraft verfügen.
Eskaliert die Lage? Am heutigen Abend verkündete Polen, sofort alle polnischen MiG-29-Kampfflugzeuge an die amerikanische Luftwaffenbasis in Ramstein zu übergeben. Diese könnten dann von den USA an die ukrainische Luftwaffe ausgehändigt werden.
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