Tauziehen um Nord Stream 2: Ex-Bundeswehr-Generaloberst ruft Geopolitik in Erinnerung

Berlin. In der Diskussion um das russisch-deutsche Pipelineprojekt Nord Stream 2, das von der US-Regierung hartnäckig sabotiert wird, hat sich auf dem russischen Nachrichtenportal „Sputnik“ jetzt ein ranghoher deutscher Ex-Offizier, Oberstleutnant a.D. Jochen Scholz, in einem Gastkommentar mit bemerkenswerten Überlegungen zu Wort gemeldet. Abonniere jetzt: >> Die starke Stimme für deutsche Interessen

Scholz, der bis zum Jahr 2000 Referent im Bundesverteidigungsministerium war und heute Mitglied der Linken ist, kritisiert das Vorgehen amerikanischer Behörden gegen die Ostseepipeline rundweg als „Erpressung“ und macht darauf aufmerksam, daß die unverhohlenen US-Einmischungsversuche strikt gegen internationales Recht verstoßen. Mehr noch: „Was hier auf dem Spiel steht, ist nichts anderes, als die mit der Charta der Vereinten Nationen nach 1945 geschaffene internationale Rechtsordnung immer mehr durch das Faustrecht zu ersetzen, eine Entwicklung, die seit dem Ende der Sowjetunion bereits einige Fahrt aufgenommen hat.“

Scholz empfiehlt der Bundesregierung, sich im Rahmen der Vereinten Nationen gegen die US-Zumutungen zur Wehr zu setzen: „Damit wäre das Thema auf der Weltbühne und würde breiter wahrgenommen, während es derzeit im Wesentlichen lediglich in der amerikanischen und europäischen Öffentlichkeit debattiert wird.“

Der Ex-Generaloberst weist in diesem Zusammenhang – was in den deutschen „Qualitätsmedien“ so gut wie nie thematisiert wird – darauf hin, daß die amerikanische Einmischung letztlich klare geopolitische Gründe hat. Scholz wörtlich:

„Der entscheidende Grund für die Obstruktion der USA durch deren Machtelite, die unabhängig von der jeweiligen Präsidentschaft agiert, ist geopolitischer Natur. Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Rußland im Energiesektor ist zweifelsohne ein Baustein auf dem langen Weg zu einem eurasischen Wirtschaftsraum, der auch zwangsläufig eine neue Sicherheitsarchitektur nach sich zöge. Damit wäre der seit Jahrzehnten andauernde anglo-amerikanische Kampf um die ‚Weltinsel‘ vergeblich gewesen, deren Beherrschung nach Halford Mackinder die Voraussetzung für die Dominanz in der Welt ist. Andere Gründe, wie der Verkauf des US-amerikanischen Fracking-Gases in flüssiger Form in die EU, spielen demgegenüber eine untergeordnete Rolle und dienen Präsident Trump allenfalls als Wahlkampfthema.“ (mü)

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