Streit um Chrupallas Besuch beim russischen Botschafter: „Ich will die Beziehungen normalisieren“

Streit um Chrupallas Besuch beim russischen Botschafter: „Ich will die Beziehungen normalisieren“
Wikimedia/TC2021/

Berlin. In- und außerhalb der AfD wird heftig diskutiert: AfD-Fraktions- und Parteichef Tino Chrupalla war zusammen mit dem AfD-Ehrenvorsitzenden Alexander Gauland am 9. Mai beim russischen Botschafter in Berlin eingeladen. Rußland zelebriert an diesem Datum den Jahrestag des Sieges im Zweiten Weltkrieg und feiert den 9. Mai bis heute als „Tag des Sieges“ und der „Befreiung vom Faschismus“. Aus deutscher Warte stellt sich die Wertung dieses Datums allerdings anders dar – es markiert die schlimmste Katastrophe der deutschen Geschichte, verbunden mit millionenfacher Vertreibung und dem Tod von Millionen Deutschen.

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Chrupalla hatte dem Botschafter auch ein Präsent überreicht. Darüber wird nun kräftig diskutiert. Die Geste wie der Besuch der beiden AfD-Spitzenfunktionäre bei russischen Botschafter ist in der AfD äußerst umstritten.

In der AfD-Chatgruppe meldete sich ein Abgeordneter mit dem Kommentar zu Wort:  „Wen gewinnt man damit als Unterstützer? (...) Egon Krenz und Klaus Ernst, Mauermörder und deren geistige Nachfolger. Sind unsere Umfragewerte wieder zu gut, daß wieder so eine Aktion sein mußte?“ Ein anderer AfD-Abgeordneter schreibt: „Ich brech ins Essen!!! Langsam frage ich mich, ob ich hier noch richtig bin.“ Ein AfD-Funktionär aus Bayern findet: „Diese Verharmlosung der millionenfachen systematischen schweren Kriegsverbrechen (Mord, Vergewaltigung, Vertreibung) der Sowjets kann man Patrioten nicht erklären. Die Unterstützung Rußlands kann man 85% der Westdeutschen nicht erklären.“

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Aus Mitteldeutschland gab es hingegen Zustimmung für Chrupalla. So heißt es von einem brandenburgischen Abgeordneten: „Hallo? Gerade bei uns in LOS  kommt das bei unseren Wählern gut an oder wird ohne Probleme toleriert – jetzt mal unabh. vom Westen gesehen.“

Chrupalla selbst ruderte zumindest teilweise zurück und twitterte zur Richtigstellung: „Gestern war ich beim Empfang von @RusBotschaft anläßlich des Kriegsendes. Nicht um für Befreiung zu danken, (...) sondern um die deutsche Sicht auf Geschichte und Gegenwart zu erläutern.“

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Der „Sezession“ des unabhängigen Verlegers und Publizisten Götz Kubitschek gegenüber erklärte er darüber hinaus, es sei ihm darum gegangen, „die Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland wieder zu normalisieren. Das wäre im Interesse der Russen und Deutschen. Beiden Ländern ging es gut, wenn die Beziehungen zwischen ihnen gut waren.“ Und zum 8. Mai, dem Tag der Kapitulation 1945, sagte Chrupalla: „Manche Deutsche wurden befreit, für manche begann die Vertreibung. All diese Aspekte muß man im Gedenken berücksichtigen. Geschichte ist im Fluß. Mit den heutigen Umbrüchen ändert sich auch die Sicht auf die Geschichte. Die Alternative für Deutschland ist angetreten, um die Probleme der Gegenwart zu lösen und die Zukunft Deutschlands zu gestalten.“ (st)

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