Streeck kritisiert Corona-Diskussion: „Wer die ‚falsche‘ Auffassung hat, wird ignoriert oder diffamiert“

Düsseldorf/Berlin. Der Virologe Hendrik Streeck hat in der FAZ kritisiert, daß die Wissenschaft in der Corona-Debatte politisiert werde, statt sie debattieren zu lassen und der Politik Entscheidungsalternativen zu bieten. Anlaß dafür war unter anderem, daß eine „Spiegel“-Reporterin ihn im Gespräch mit seinem Berliner Kollegen Christian Drosten als „schlimmer als die Corona-Leugner“ bezeichnet hatte. Drosten hatte sich daraufhin gegen diese Aussage verwahrt. Abonniere jetzt: >> Die starke Stimme für deutsche Interessen

Streeck, der einer der Wissenschaftler des Expertenrates ist, die NRW-Ministerpräsident Armin Laschet seit dem vergangenen Frühjahr in Sachen Corona beraten, kritisiert in der FAZ, daß es in den seltensten Fällen gelungen sei, Wissenschaftler mit unterschiedlichen Meinungen an einen Tisch zu bekommen. Nordrhein-Westfalen mit seinem multidisziplinären Expertenrat sei dabei ein seltenes Positivbeispiel. Er biete der Politik verschiedene Sichtweisen als Grundlage für ihre Entscheidung an.

Generell sei es in Deutschland jedoch üblich geworden, die wissenschaftliche Debatte zu politisieren, statt die Grenzen zwischen wissenschaftlicher Debatte und politischer Entscheidung zu akzeptieren: „Diskussion ist immer gut und essentiell, davon lebt die Wissenschaft. Aber es ist im Moment etwas in Schieflage geraten in der öffentlichen Debatte, weil zwischen ‚gut und richtig‘ und ‚böse und falsch‘ unterschieden wird – wer die ‚falsche‘ Auffassung hat, wird entweder nur noch ignoriert oder gleich diffamiert.“

Vor allem die Regierung Merkel und ihr Umgang mit Wissenschaftlern zeige, daß politische Entscheidungen über wissenschaftlichen Fragestellungen stünden.

Tatsächlich hatte die Kanzlerin erst letzte Woche in der Bundespressekonferenz eingeräumt, daß es Aspekte in der Corona-Krise gebe, über die sie „politisch“ und nicht nach wissenschaftlicher Maßgabe entscheide. (st)

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