Stratfor-Chef Friedman: „Eine russisch-deutsche Entente würde Europa dominieren“

Austin/Texas. Ein führender US-Geopolitiker spricht Klartext – und macht kein Hehl daraus, daß ein Zusammengehen Deutschlands und Rußlands für die USA der „worst case“ wäre. Abonniere jetzt: >> Die starke Stimme für deutsche Interessen

George Friedman ist Begründer des US-think tanks Stratfor, das sich vorzugsweise mit Fragen der Geo- und Weltpolitik auseinandersetzt. Er hat jetzt in einem Interview erneut deutlich gemacht, daß eine enge strategische Kooperation zwischen Deutschland und Rußland eine Gefahr für die US-Interessen in Europa bedeuten würde. In einem Interview mit den „Deutschen Wirtschaftsnachrichten“ erklärte er:

„Eine russisch-deutsche Entente würde Europa dominieren, die Gründe für die NATO beenden und das genaue Ergebnis erzielen, das die USA sowohl im Zweiten Weltkrieg als auch im Kalten Krieg verhindern wollten. Es gab eine Zeit, in der Deutschland diese Sichtweise auf Rußland teilte.“

Friedman nahm mit dieser Klarstellung unverhohlen Bezug auf die berühmte Äußerung des ersten NATO-Generalsekretärs Lord Ismay, der gesagt hatte, das westliche Militärbündnis sei dazu da, „die Russen draußen, die Amerikaner drinnen und die Deutschen unten zu halten“.

Schon 2015 sorgte Friedman, der inzwischen nicht mehr Stratfor-Chef ist, mit seiner Feststellung für Aufsehen, wonach ein deutsch-russisches Bündnis eine Bedrohung für die US-Dominanz in Europa wäre, weshalb die USA eine deutsch-russische Allianz seit eineinhalb Jahrhunderten zu verhindern suchten.

Friedman zeigt sich allerdings zuversichtlich, daß es zu diesem deutsch-russischen Zusammengehen nicht kommt – zu viel böses Blut sei in den vergangenen sechs Jahren erzeugt worden. Die mutmaßliche Vergiftung des russischen Oppositionellen Alexei Nawalny und die daraufhin ausgelöste Rhetorik gefährdeten inzwischen sogar die von der Bundesregierung als strategisch wichtig eingestufte Nordsee-Pipeline Nord Stream 2.

Allerdings sieht Friedman hier nicht das Wirken der USA hinter dieser Entwicklung, sondern das der Regierung von Kanzlerin Merkel selbst. Das gesamte Energieumfeld habe sich seit der Konzeption von Nord Stream 2 „radikal“ verändert, was das Projekt überflüssig erscheinen lasse. Nur habe sich Berlin nicht getraut, von sich aus auszusteigen. Deshalb vermutet er, „daß Deutschland mit dem Druck der USA zufrieden ist, da es eine Entschuldigung dafür bieten kann, einen Deal zurückzuziehen, der nicht mehr funktioniert.“ (mü)

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