Skandal auf der Buchmesse: Philosoph Žižek will auch Palästinenser verstehen

Skandal auf der Buchmesse: Philosoph Žižek will auch Palästinenser verstehen

Frankfurt/Main. Auch die Frankfurter Buchmesse hat jetzt ihren „Antisemitismus“-Skandal – der aber gar keiner ist. Niemand hat zur Eröffnung der renommierten Bücherschau Juden oder den Staat Israel geschmäht. Nur: wie schon zuvor in Sachen Ukraine sind im öffentlichen Klima der Bundesrepublik keinerlei Zwischentöne mehr möglich. Das ist der eigentliche Skandal.

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Der Fall: der slowenische Philosoph und Buchautor Slavoj Žižek hielt zur Buchmesse die Eröffnungsrede. Er sagte dabei, er verurteile die terroristischen Angriffe der Hamas auf die israelische Bevölkerung, betonte aber, man müsse auch den Palästinensern zuhören und deren Hintergrund beachten, wenn man den Konflikt verstehen wolle.

So viel Ausgewogenheit überforderte manche Zuhörer. Der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker sah sich in die Schranken gefordert und bemüßigt, Žižek erst vor und später nochmals direkt auf der Bühne zu widersprechen. Er warf dem Philosophen vor, die Verbrechen der Hamas zu „relativieren“, verließ mehrfach den Saal, ließ sich dann aber in Begleitung von Frankfurter Lokalpolitikern wieder hereinbitten. Auch Buchmesse-Direktor Juergen Boos versuchte – wie die „Welt“ berichtete –, Becker zu „besänftigen“.

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Žižek blieb gelassen und entgegnete, er „relativiere“ überhaupt nicht. Die Terroranschläge seien ein schreckliches Verbrechen, und Israel habe jedes Recht, sich zu verteidigen. Aber um zu verstehen, was dort geschehe, müsse man auch den Hintergrund der Palästinenser sehen. Es könne im Nahen Osten keinen Frieden geben ohne Lösung der Palästina-Frage.

Schon vor der Unterbrechung hatte Žižek, der neben Peter Sloterdijk zu den namhaftesten Philosophen der Gegenwart zählt, ein „Analyseverbot“ bei diesem Thema kritisiert. Er bemängelte, alle seine Vorredner hätten über Israel, aber niemand über die Palästinenser gesprochen. Die Entscheidung, die palästinensische Autorin Adania Shibli nicht auf der Buchmesse auszuzeichnen, halte er für „skandalös“.

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Buchmessen-Chef Boos versuchte die Wogen zu glätten. Er insistierte darauf, daß die Buchmesse ein Ort für freie Worte sei. Er sei dankbar für den Widerspruch aus dem Publikum, aber er sei auch froh, daß man die Rede habe zu Ende hören können. Im Deutschland des Jahres 2023 ist das offenbar das Maximum des Möglichen. (rk)

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