Schuß ins eigene Knie: Der Westen wollte Rußland schaden – doch der Rubel rollt immer besser

Schuß ins eigene Knie: Der Westen wollte Rußland schaden – doch der Rubel rollt immer besser

Moskau. Eigentlich wollten die Europäer Rußland nach dem Einmarsch in der Ukraine „ruinieren“ – dieses Ziel gab Bundesaußenministerin Baerbock (Grüne) offiziell im Bundestag aus. Doch davon ist keine Rede mehr. Die Wahrheit ist, daß die Sanktionen dem Westen mit jedem Tag mehr auf die eigenen Füße fallen – während die russische Wirtschaft besser dasteht denn je.

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Das gilt insbesondere auch für den russischen Rubel. Gerade die russische Währung sollte durch die westlichen Sanktionen getroffen werden. Aber: auch der Rubel steht so hoch wie seit Jahren nicht mehr.

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Anfang März, kurz nach Beginn der russischen Militäroperation, twitterte Bundesfinanzminister Lindner: „Der Rubel fällt, russische Unternehmenskurse brechen ein.“ Doch diese Entwicklung war nur von kurzer Dauer. Stattdessen kam es zu einer Kehrtwende. Zwar wurden die westlichen Sanktionen stärker, Experten sagten schon Hyperinflation und einen dauerhaften Wertverfall der russischen Währung voraus. Aber: der Rubelkurs begann auf einmal gegenüber US-Dollar und Euro aufzuwerten. Im Mai wurde eine regelrechte Kursrally daraus. Anfang März war ein Euro rund 145 Rubel wert. Anfang Juni waren es nur noch 64 Rubel. Aktuell sind es rund 58 Rubel.

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Damit ist der Rubel so stark wie seit einem halben Jahrzehnt nicht mehr – trotz Krieg und westlichen Sanktionen. Dahinter steckt nicht zuletzt eine kluge Geldpolitik der russischen Zentralbank. Deren Chefin Elwira Nabiullina wurde dafür vom Magazin „Euromoney“ 2018 sogar zur Notenbankerin des Jahres gewählt. Ihr Geheimnis: sie entschied sich für den Verkauf von Devisen und erhöhte die Zinsen, das stützte die russische Währung.

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In den ersten Wochen des Ukrainekrieges hob sie den Leitzins drastisch von 9,5 auf 20 Prozent an. Das führte dazu, daß die Russen selbst in Rubel anlegten und nicht mehr in Fremdwährungen investieren. Viele Geldhäuser in Rußland bieten aktuell Jahreszinsen von bis zu zehn Prozent auf Anlagen in Rubel, während Anlagen in Euro oder Dollar so gut wie nichts abwerfen. Zudem sind einheimische Unternehmen dazu verpflichtet worden, 80 Prozent ihrer im Ausland erzielten Gewinne in Rubel umzutauschen. Energielieferungen müssen zum Teil von den Empfängerländern in Rubel bezahlt werden. Das erzeugt eine Rubel-Nachfrage, die vor allem von Rußlands Energie- und Rohstoffverkäufen getrieben wird. Diese übersteigen deutlich den Wert der Importe. Das führt zu einem Leistungsbilanzüberschuß, der wiederum die eigene Währung stärkt.

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Im Westen macht sich darüber längst Resignation breit: „Der Westen hatte sicher auch auf einen abgewerteten Rubel, steigende Preise und damit auf eine zunehmende Unzufriedenheit in Rußland spekuliert. Diese Strategie ist vorerst gescheitert“, resümiert Stefan Grothaus, Währungsanalyst bei der DZ-Bank.

Und das ist noch nicht einmal alles: die russische Geldpolitik funktioniert offenbar so gut, daß Zentralbankchefin Nabiullina den Zins schon wieder senken konnte, auf derzeit nur noch 9,5 Prozent. Damit notiert der Leitzins jetzt wieder auf dem gleichen Niveau wie vor Kriegsbeginn im Februar.

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Auch die Inflation scheint vorerst im Griff. Die russische Inflationsrate war Anfang Juni von zuvor 20 auf nunmehr 17 Prozent gesunken. Im weiteren Jahresverlauf rechnet die Bank Rossii mit einem weiteren Rückgang der Teuerung auf einen Jahresdurchschnitt zwischen 14 und 17 Prozent. Auch das liegt am starken Rubel. Wenn der Rubel nicht so stark wäre, läge die Inflation bei 30 bis 40 Prozent, zitiert die Internetzeitung „Meduza“ den russischen Volkswirt Sergej Suwerow. „Solange Rußland exportiert, bleibt der Rubel stark“, ist LBBW-Chefvolkswirt Kramer überzeugt. Und er sieht keine Anzeichen dafür, daß sich das ändert: „Öltanker“, stellt er fest, „nehmen seit Mitte April Rekordmengen an Rohöl an russischen Häfen auf.“

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Alles zusammen ist ein klarer Punktsieg für die russische Geld- und Wirtschaftspolitik. Währenddessen versinkt der Westen in Inflation, zunehmender Güterknappheit und explodierenden Preisen. Wenn es so weitergeht, werden die Europäer die Russen bald noch beneiden. (mü)

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