Polnische Bescheidenheit: Warschau will 1,3 Billionen Euro von Deutschland
Warschau/Berlin. Pünktlich zum Jahrestag des Kriegsbeginns macht Polen eine Rechnung auf: der Vorsitzende der nationalkonservativen Regierungspartei PiS, Jaroslaw Kaczynski, präsentierte die langerwartete polnische Rechnung für die von Deutschen während des Zweiten Weltkrieges angerichteten Schäden in Polen. Stattliche 1,3 Billionen (!) Euro will Kaczynski von den Deutschen als Entschädigung.
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Die Summe geht aus einem Gutachten hervor, an dem in Polen lange gefeilt worden ist. „Die Deutschen sind in Polen eingefallen und haben uns enormen Schaden zugefügt. Die Besatzung war unglaublich verbrecherisch, unglaublich grausam und hatte Auswirkungen, die in vielen Fällen bis heute anhalten“, sagte Kaczynski. Daher werde Warschau von Berlin Reparationen fordern. „Wir können nicht zur Tagesordnung übergehen, nur weil es jemandem so vorkommt, als befände sich Polen in einer besonderen, radikal niedrigeren Position als andere Länder.” Er sei sich bewußt, daß es zu den Reparationen ein „langer und schwieriger Weg” sei.
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Die PiS-Regierung, die Polen seit 2015 führt, hat das Thema Entschädigungszahlungen immer wieder aufgebracht. 2017 rief sie für das Gutachten eine eigene Parlamentskommission ins Leben. Zudem gründete Polen ein Forschungsinstitut für Kriegsschäden.
Allein der erste Band des Gutachtens umfaßt mehr als 500 Seiten und ist in neun Kapitel unterteilt – Berechnungen zu den polnischen Kriegsverlusten in den Bereichen Demografie, zur wirtschaftlichen Bewertung der menschlichen Verluste sowie den materiellen Verlusten. Außerdem geht es um den Verlust von Kultur- und Kunstgütern sowie verschiedenen Arten von Finanzmitteln, Bankguthaben und Wertpapieren.
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Die Bundesregierung lehnt jegliche Reparationsforderungen ab. Für sie ist die Frage mit dem 2+4-Vertrag von 1990 abgeschlossen. Darüber hinaus hat die polnische Rechnung einen massiven Schönheitsfehler: sie unterschlägt, daß Polen seit Kriegsende Nutznießer eines Viertels des deutschen Staatsterritoriums ist, der alten deutschen Ostgebiete. Deren Wert – inklusive der von Polen abgebauten Bodenschätze, der hochentwickelten Infrastruktur und des jahrhundertealten kulturellen Erbes – dürfte die von Polen geforderte Entschädigung um ein Mehrfaches übersteigen. (rk)
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