Polen will Kiew nicht länger unterstützen: Kurswechsel oder Wahlkampfmanöver?

Polen will Kiew nicht länger unterstützen: Kurswechsel oder Wahlkampfmanöver?

Warschau. Die FAZ spricht von einem „Dammbruch in Polen“, und das ist nicht zu hoch gegriffen. Die Regierung in Warschau hat jetzt erklärt, die militärische Unterstützung für die Ukraine stoppen zu wollen. „Wir liefern keine Waffen mehr an die Ukraine, weil wir uns jetzt selbst mit den modernsten Waffen ausrüsten“, erklärte der polnische Ministerpräsident Morawiecki am Mittwochabend, und weiter: „Die Ukraine verteidigt sich gegen einen bestialischen russischen Angriff, und ich verstehe diese Situation, aber wie ich schon sagte, werden wir unser Land schützen.“

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Diese Wendung kommt überraschend – bislang gab sich Polen stets als unerschütterlichster Verbündeter Kiews und versuchte sich in dieser Rolle auch Deutschland gegenüber zu profilieren.

Schon kürzlich hatten Beobachter deutliche Zeichen der Entfremdung zwischen Warschau und Kiew wahrgenommen. So hatte Staatspräsident Duda dieser Tage die Ukraine mit einem „Ertrinkenden“ verglichen, der versuche, andere mitzureißen.

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Die politischen Kommentatoren sind sich im Augenblick noch nicht einig, wie der Kurswechsel Warschaus interpretiert werden soll. Zum einen sind in Polen in wenigen Wochen Wahlen, und die regierende nationalkonservative PiS-Partei sucht sich im Endspurt als entschlossene Wahrerin polnischer Interessen darzustellen. Möglich ist aber auch, daß Polen nur die ohnehin unvermeidbare „Exit“-Strategie vorwegnimmt – überall im Westen wird der Ukrainekrieg zunehmend unpopulär, nicht zuletzt in den USA, wo nächstes Jahr ebenfalls Wahlen anstehen. Die Bevölkerungen sind immer weniger gewillt, sich die Milliardensummen, die in der Ukraine versickern, und auch die politisch-militärischen Risiken des Krieges weiterhin zumuten zu lassen. (mü)

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