Plötzlich ohne Konto: Brexit-Rebell Nigel Farage warnt vor bargeldloser Gesellschaft
London. Der frühere Europaabgeordnete und Brexit-„Architekt“ Nigel Farage warnt vor der „Tyrannei“ einer bargeldlosen Gesellschaft – und kann dabei auf seinen eigenen Fall verweisen. Sein Konto bei der Privatbank Coutts wurde ihm jüngst nach über 40 Jahren gekündigt. Farage sieht darin „eine ernsthafte politische Verfolgung auf der höchsten Ebene unseres Systems“ und weist auf den größeren Kontext seines Falles hin: „Es herrscht ein regelrechter Krieg gegen das Bargeld. Es geht um die Kontrolle über unser Leben auf jeder Ebene. Das wird unweigerlich mit digitalen Währungen der Zentralbanken enden.“
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Auch Mitglieder seiner Familie seien zur Zielscheibe geworden. Ihm sei mittlerweile klar, daß er kein Bankkonto mehr bekommen könne. Das bedeute, daß man zu „einer Nicht-Person“ geworden sei: „Man hört auf zu existieren.“ Insgesamt neun Banken hätten ihn abgewiesen, berichtet Farage und macht ein britisches Gesetz über „politisch exponierte Personen“ für diese Entscheidungen verantwortlich. Zudem glaubt er, daß das Bankgewerbe „auf eine bargeldlose Gesellschaft drängt“.
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Mit letzterem liegt der Brexit-Rebell zweifellos richtig. Das von ihm erwähnte Gesetz ist aber kein ausschließlich britisches, sondern gilt in ähnlicher Form in der gesamten EU. Demnach werden die Konten und Transaktionen „politisch exponierter“ Personen eingehender kontrolliert als die „normaler“ Bankkunden. Damit soll verhindert werden, daß die Kontoinhaber etwa Gelder von sanktionierten Ländern oder Unternehmen annehmen. Tatsächlich gibt es Behauptungen, Farage habe Geld aus Rußland erhalten, was er selbst mit Nachdruck abstreitet.
Im britischen Unterhaus sorgte sein Fall zumindest für Furore – einige Abgeordnete solidarisierten sich vehement mit ihm und drängten darauf, daß die britischen Banken ihrer Neutralitätspflicht nachkämen. Sogar das Finanzministerium sah sich veranlaßt, der Angelegenheit nachzugehen. (mü)
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