Plötzlich leise Töne aus Kiew: „So werden wir den Krieg verlieren“
Kiew. Die Siegespropaganda aus Kiew verstummt zusehends. Erst letzte Woche mußte der ukrainische Präsident Selenskyj einräumen, daß die russischen Streitkräfte mittlerweile – und trotz aller Gegenwehr – rund 20 Prozent des ukrainischen Staatsterritoriums unter ihre Kontrolle gebracht hätten. Plötzlich ist auch keine Rede mehr davon, den Krieg auf russisches Territorium zu tragen oder etwa die Krim zurückzuerobern. Vielmehr gestand die stellvertretende ukrainische Verteidigungsministerin Anna Maljar jetzt im ukrainischen Fernsehen ein, daß der Krieg ohne westliche Unterstützung nicht zu gewinnen sei.
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„Egal wie sehr sich die Ukraine bemüht, egal wie professionell unsere Armee ist, ohne die Hilfe westlicher Partner werden wir diesen Krieg nicht gewinnen können”, sagte Maljar. Die Waffenlieferungen müßten beschleunigt werden, forderte sie weiter. „Denn jeder Tag der Verzögerung ist ein weiterer Tag gegen das Leben der ukrainischen Soldaten, unseres Volkes.” Es bleibe nicht viel Zeit.
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Zuvor hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ebenfalls erneut weitere Waffenlieferungen gefordert und eingeräumt, daß „die Russen zehn-, hundertmal so viel haben”.
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Zu schaffen macht den Ukrainern aber nicht nur die Materialüberlegenheit der russischen Streitkräfte, sondern auch massive eigene Verluste. Der Mitherausgeber des britischen „Guardian“, Dan Sabbagh, schätzte dieser Tage, daß sich die ukrainischen Verluste auf 600 bis 1000 Tote und Verwundete pro Tag belaufen. „Die Gesamtzahl der Opfer – mehr als 20.000 pro Monat – wirft die Frage auf, in welchem Zustand sich die ukrainische Armee befinden wird, wenn sich der Krieg bis zum Herbst hinzieht. Die russische Armee kontrolliert bereits große Teile der Ukraine und kann die Auseinandersetzungen mit Vorteil beenden“, urteilte Sabbagh. (mü)
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