Orbán mit Prognose zum Ukraine-Konflikt: „Die Zeit spielt für die Russen“
Budapest. Der ungarische Präsident Orbán hat sich einmal mehr gegen die offizielle Ukraine-Politik des Westens gestellt und dabei unbequeme Wahrheiten ausgesprochen. In einem Hintergrundgespräch unter anderem mit dem unabhängigen österreichischen Nachrichtenportal „exxpress“ sagte Orbán, er sei ohnehin das „schwarze Schaf“ der EU, weshalb es ihn wenig kümmere, die harte Wahrheit zu sagen.
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Orbán stellte fest: „Der Westen ist bereits im Krieg mit Rußland, das ist die Realität. Und der Westen wird immer weiter in diesen Krieg hineingezogen.” Der ungarische Regierungschef kritisierte in diesem Zusammenhang den westlichen Mainstream, der die Dinge allzu einfach sehe: „Rußland ist der Aggressor, deshalb gibt es Krieg.” Alternativen, etwa eine Friedenslösung, würden aus der Diskussion ausgeblendet.
Die Gesamtsituation in Europa sei „sehr ernst”, unterstrich Orbán: „Wenn Rußlands Frühjahrsoffensive erfolgreich ist – was machen wir dann? Der Ukraine gehen die Soldaten aus. Das ist Faktum, das sagen die Geheimdienste. Schickt die NATO dann auch Soldaten? Auch wenn das so wäre: Die Russen verdoppeln dann die Zahl ihrer Truppen, sie haben kein Limit an Menschen.”
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Der ungarische Präsident erinnerte auch an die Tatsache, daß in Rußland 2024 Präsidentschaftswahlen seien – Kremlchef Putin werde „sicher nicht als Verlierer in den Wahlkampf gehen wollen, sicher nicht“. Aber: „Die Zeit spielt für Rußland. Wir sollten nicht den Fehler machen, daß wir glauben, die Russen denken so wie wir. Die Geschichte zeigt doch: Je mehr der Druck auf Rußland steigt, desto besser werden sie. Und jetzt sieht man schon: Sie werden immer besser an der Front in der Ukraine.” Demgegenüber beurteilt Orbán die Chancen des Westens eher skeptisch: „Sind wird doch ehrlich: Sind wir Europäer bei diesem Konflikt eben auf der Siegerstraße, auf der Erfolgsspur? Das sehe ich einfach nicht.”
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Auch über die Gefahr einer weiteren gefährlichen Eskalation im Ukraine-Krieg sprach der ungarische Regierungchef: es sei möglich, daß die russischen Streitkräfte mit taktischen Nuklearwaffen antworteten, falls die Ukraine vom Westen weitreichende Raketen erhalte und damit Ziele in Rußland beschieße.
Auch deshalb rät Orban zu Waffenstillstandsverhandlungen: „Den Konflikt mit Rußland fortzusetzen, um auch die Einigkeit Europas zu festigen – ich weiß nicht, ob das wirklich eine gute Idee ist.” Ein sofortiger Waffenstillstand sei besser, auch wenn der Weg dorthin nicht leicht sei: „Wir haben auch nicht die Lösung für einen Friedensvertrag auf dem Tisch, das wird eine lange Phase der Arbeit sein.”
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An dem Gepräch mit Orbán, das am Amtssitz des ungarischen Präsidenten stattfand, nahm neben „exxpress“-Chefredakteur Richard Schmidt unter anderem auch Yair Netanyahu (31) teil, der Sohn des kürzlich wiedergewählten israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu. (mü)
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