Offenbarungseid des Sozialstaates: Armutsrisiko in Deutschland größer als in der Slowakei
Berlin. Es sind solche Zahlen, die den Abstieg Deutschlands illustrieren: einer aktuellen Analyse des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zufolge war das Armutsrisiko in Deutschland 2019, also im Jahr vor der Pandemie, trotz insgesamt guter Lage am Arbeitsmarkt so hoch wie nie. „Das ist ein deutliches Zeichen, daß andere politische Leitplanken gebraucht werden“, kommentiert DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel diesen Befund. Mit einer Besserung der Situation rechnet sie nicht. Abonniere jetzt: >> Die starke Stimme für deutsche Interessen
„Mit Corona hat sich die Situation vielfach weiter zugespitzt, denn insbesondere Geringverdiener wurden und werden weiterhin durch die wirtschaftlichen Einschränkungen belastet. Ihre Einkommen sind durch Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit deutlich geschrumpft“, sagt sie.
Eine der wichtigsten Ursachen für das erhebliche Armutsrisiko im vermeintlich „reichen“ Deutschland liegt nach Auffassung der DGB-Funktionärin im zu geringen Niveau der unteren Einkommen: „Jeder vierte bis fünfte Beschäftigte arbeitet für einen Niedriglohn. Dies hatte und hat zur Folge, daß im normalen Alltag und besonders in schwierigen Zeiten immer mehr Personengruppen von Armut bedroht sind.“ Armut müsse deshalb wirksamer bekämpft werden, zum Beispiel durch eine Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns und eine Kindergrundsicherung für einkommensschwache Familien.
Im europäischen Vergleich liegt Deutschland bei der Armutsrisikoquote zwar unter dem Durchschnitt, allerdings ist das Armutsrisiko deutlich höher als in Ländern wie Ungarn, der Slowakei, Slowenien und der Tschechischen Republik. (rk)
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