Österreichischer Militärexperte Reisner: Warum die Ukraine nicht vorankommt

Österreichischer Militärexperte Reisner: Warum die Ukraine nicht vorankommt

Wien/Kiew/Moskau. Der österreichische Militär-Analyst Markus Reisner hat sich wieder mit einer aktuellen Analyse zum Verlauf der Kampfhandlungen in der Ukraine zu Wort gemeldet. Er bestätigt dabei im wesentlichen die Einschätzung anderer westlicher Experten, die der Ukraine mittlerweile kaum noch Siegeschancen einräumen. Den Ukrainern, so Reisner gegenüber n-tv, fehlten für raumgreifende Durchbrüche alle wesentlichen Voraussetzungen.

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„Einen operativen Durchbruch gibt es noch nicht“, urteilt Reisner. „Wir dürfen nicht vergessen, daß die ukrainische Offensive mittlerweile seit 58 Tagen andauert. Bislang hat sie nur wenige Kilometer erzielt.“ Jedes Mal, wenn die ukrainische Truppen „versuchen, einen massiven Angriff durchzuführen, dann scheitert dies, weil die wesentlichen Voraussetzungen fehlen“. Grund dafür sei, daß die Russen über mehrere Monate hinweg ihre Verteidigungsstellungen ausbauen konnten, was Angriffe der Ukrainer verlustreich mache.

Eine erfolgreiche Offensive sei „immer von einem Durchbruch auf operativer Ebene gekennzeichnet“, unterstreicht Reisner. „Das bedeutet, daß der Angreifer in die Tiefe vorstößt und beim Gegner einen Dominoeffekt auslöst, bis hin zum Zusammenbruch der Front. Ein großer Durchbruch würde die ukrainischen Truppen im Süden beispielsweise bis zum Stadtrand von Tokmak bringen, damit sie von dort weiter vorstoßen können in Richtung Melitopol oder Mariupol oder gar der Krim.“

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Doch davon sei die ukrainische Seite weit entfernt, nicht zuletzt deshalb, weil ihr die Luftüberlegenheit fehle. Reisner erinnert in diesem Zusammenhang an die Offensive der Westalliierten im Sommer 1944 unter dem Codenamen „Operation Cobra“, die „die deutsche Kriegführung in Frankreich letztlich beendet“ habe. Entscheidend dabei seien „massive vorbereitende Luftangriffe der Amerikaner“ gewesen. Diese Fähigkeit fehle den Ukrainern heute.

Ein weiteres Problem sieht Reisner in den ausgedehnten Minenfeldern, die die Russen im Vorfeld ihrer Verteidigungsstellungen in den letzten Monaten anlegen konnten – die Ukrainer könnten sie mit ihren unterlegenen Kräften nicht überwinden.

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Dann stellt der österreichische Experte eine Mutmaßung an: die russische Führung strebe möglicherweise an, „die Ukraine in ein ödes Glacis zu verwandeln, als Vorfeldverteidigungsraum gegen die NATO“. Auch in der Vergangenheit hätten Großreiche immer versucht, Pufferzonen in ihrem eigenen Vorfeld zu errichten, „möglichst entvölkert oder menschenleer, damit ein Angreifer dort keine Unterstützung finden kann.“ Reisner will nicht ausschließen, daß Moskau genau dieses Ziel verfolgt – doch das ist Spekulation. (he)

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