Österreichische Ex-Außenministerin über die Ukraine: „Der Staat ist in einer Zerfallserscheinung“
Wien. Die in Österreich in Ungnade gefallene frühere Außenministerin Karin Kneissl, die heute mutmaßlich im Libanon lebt, widerspricht in einem aktuellen Podcast-Interview den gängigen westlichen Ukraine-Narrativen. Sie hält es – entgegen allen offiziellen Verlautbarungen westlicher Politiker – für denkbar, daß die Ukraine zuguterletzt vom Westen fallengelassen werde. „Aber dann wäre keineswegs sicher, daß Europa den Kampfschauplatz Ukraine los ist. Im Gegenteil. Das Land ist mit Waffen vollgespickt. Der Staat ist mittendrin in einer Zerfallserscheinung.“
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Es wäre nicht das erste Mal, fügt Kneissl hinzu, daß der Westen seine Verbündeten preisgebe, und verweist auf Südvietnam und auf Ägyptens Ex-Präsidenten Mubarak. In der Politik solle man besser von „Allianzen“ sprechen als von „Freundschaften“.
Es könnte durchaus sein, daß die Ukraine in nicht mehr allzu ferner Zukunft nicht mehr jene Priorität für den Westen und vor allem die USA hat, „die sie in der medialen Wahrnehmung, im Handelskrieg und in der militärischen Unterstützung durch die NATO zur Zeit hat.“ Sie, Kneissl, habe vielmehr immer den Eindruck gehabt, „daß China die absolute Priorität der USA ist und nicht unbedingt Rußland“.
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Die Ukraine befinde sich mittlerweile von verschiedenen Seiten unter Druck. „Einerseits durch die Annexion des Donbass von russischer Seite her, aber auch durch verschiedenste andere Bewegungen.“ Kneissl erwähnt Polen und Ungarn, ohne ins Detail zu gehen. „Sehr, sehr vieles ist im Fluß.“ Mit Budapest gibt es immer wieder Reibereien wegen der ungarischen Minderheit in der Ukraine, und Warschau wirft seit langem ein Auge auf Galizien, das sich Polen zu großen Teilen nach dem Ersten Weltkrieg angeeignet hatte.
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Angesprochen auf die ukrainische Gegenoffensive, die laut jüngsten Medienberichten am 30. April beginnen könnte, verwies Kneissl auf eine technologische Wende, die derzeit in der Kriegführung zu beobachten sei. „Schießbefehle werden gegenwärtig durch Algorithmen zusammengestellt. Es gibt nicht mehr die Kommandanten oder Operationsraum, sondern durch Künstliche Intelligenz betriebene Drohnenverbände.“ Die Entwicklung habe in den vergangenen 15 Jahren begonnen, etwa in Afghanistan. „Mittlerweile sind einige Drohnen nicht größer als ein Streichholz, um bestimmte Menschen durch Gesichtserkennung zu ermorden.“ Es finde eine Zäsur statt ähnlich wie im Ersten Weltkrieg: „Man ritt in den Ersten Weltkrieg hoch zu Roß mit Kavallerien und ging heraus mit Panzern und Kampfflugzeugen. Diesmal werden wir vielleicht mit Künstlicher Intelligenz und neuen Waffengattungen herausgehen.“ (mü)
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