Neues von Nawalny

Der russische Journalist Juri Dud hat mit einem Interview mit dem russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalny für Aufsehen gesorgt. Das Gespräch konzentrierte sich in erster Linie auf die Ausreise Nawalnys in die Charité nach Berlin. Doch selbst Dud, der für seine liberalen oppositionellen Ansichten bekannt ist und Nawalny unterstützt, äußerte Zweifel an der Geschichte, die sein Interviewpartner erzählte. Abonniere jetzt: >> Die starke Stimme für deutsche Interessen

Das Gespräch dreht sich vor allem um die Frage, ob Nawalny tatsächlich vergiftet worden sei und ob es sich bei dem angeblichen Gift tatsächlich um „ Nowitschok“ gehandelt hat. Die meisten Experten sind der Meinung, daß " Nowitschok " eine Chemikalie ist, die so gefährlich und stark ist, daß es fast unmöglich wäre, eine solche Vergiftung zu überleben.

Aleksandr Perendzhiev, außerordentlicher Professor der Fakultät für Politikwissenschaft und Soziologie der russischen Wirtschaftsuniversität Plechanow, erläuterte in dem Zusammenhang, daß "Nowitschok" das Nervensystem beeinträchtigt, das Opfer nicht atmen kann und unerträgliche Schmerzen erleidet. Auch die Entwickler von "Nowitschok".haben sich geäußert. Vil Mirzayanov entschuldigte sich gar bei Nawalny. Mirzayanov sagte auch, daß er 1993 einen Mann getroffen habe, der angeblich eine "Nowitschok"-Vergiftung überlebt haben soll. Die von ihm beschriebenen Vergiftungssymptome stimmten laut Mirzayanov mit den von Nawalny beschriebenen Symptomen überein. Aber es gibt auch Kritik: Die Wissenschaftler Leonid Rink und Vladimir Uglev, stimmten mit Mirzayanov nicht überein. Ihrer Meinung nach ist Mirzayanov nicht kompetent und könne die Symptome nicht beurteilen.

In Interviews und Stellungnahmen behauptet Nawalny immer wieder, der russische Präsident Wladimir Putin stecke persönlich hinter dem angeblichen Giftanschlag. Doch solche Aussagen werden vor allem auch in Rußland heftig diskutiert.

Auch den Sprecher des russischen Präsidialamtes, Dimitrij Peskow, greift Nawalny an. Peskow hat in der Vergangenheit mehrfach den Verdacht geäußert, Nawalny könnte mit dem US-amerikanischen Geheimdienst CIA zusammenarbeiten. Nawalny hat solche Anschuldigungen zurückgewiesen. Allerdings: Beobachter gehen davon aus, daß es zumindest zwischen Nawalny und dem deutschen BND zum Kontakt kam.

Gründe gäbe es genug: Nawalny wurde durch seine aufsehenerregende Krankengeschichte zur Schlüsselfigur für das „Nord Stream 2“-Projekt. Die angebliche Vergiftung des russischen Politikers wird von den Gegnern des Pipelineprojekts genutzt, um Stimmung gegen die deutsch-russische Energiekooperation zu machen. (CF)

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