Nächster Relotius-Fall beim „Spiegel“: Geschichte vom Flüchtlingsmädchen Maria war frei erfunden

Nächster Relotius-Fall beim „Spiegel“: Geschichte vom Flüchtlingsmädchen Maria war frei erfunden

Berlin. Der „Spiegel“, das Leitmedium der bundesdeutschen Medienlandschaft, büßt erneut an Glaubwürdigkeit ein: die von dem Nachrichtenmagazin groß aufgezogene Serie über den angeblichen Tod des Flüchtlings-Mädchens Maria am europäisch-türkischen Grenzfluß Evros war erfunden. Schon vor Wochen sah sich die Online-Ausgabe des „Spiegel“ gezwungen, vier Artikel zu dem Thema zu löschen.

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Auch der „Spiegel“ selbst räumt nun in seiner Aufarbeitung des Falles Fehler und Versäumnisse ein. „Angesichts der Quellenlage hätte der ‚Spiegel‘ die Berichte über den Aufenthaltsort der Geflüchteten und vor allem den Tod des Mädchens deutlich vorsichtiger formulieren müssen. Auch wenn ein letztgültiger Beleg fehlt, deutet doch manches darauf hin, daß einige der Geflüchteten den Todesfall in ihrer Verzweiflung erfunden haben könnten. Möglicherweise dachten sie, daß sie dann endlich gerettet würden“, heißt es kleinlaut unter der Überschrift „In eigener Sache“.

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Das Magazin „Tychis Einblick“ deckte zahlreiche Defizite der „Spiegel“-Berichterstattung auf und resümiert: „Die ‚Aufarbeitung in eigener Sache‘ endet mit einem journalistischen Offenbarungseid, der ein ziemlich klares Schuldeingeständnis des Auslandsressorts ist“: im Zweifel müsse man „eher auf eine Information … verzichten, als die Gefahr einer falschen Berichterstattung zu laufen“.

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„Diese Gefahr“, schreibt „Tichys Einblick“, „hat man im Fall ‚Maria‘ nicht vermieden, sie vielmehr gesucht. Ob die Schuld beim Autor Christides oder der Ressortleitung in Hamburg liegt, wird für Außenstehende zur läßlichen Frage. Der beherrschende Gesamteindruck bleibt: Wertungen waren wichtiger als überprüfte Fakten, Meinungen bedeutender als die Realität. Das entspricht allerdings dem Bild, das das einstige Gatekeeper-Magazin heute insgesamt darbietet.“ (mü)

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