Nach US-Bericht über Nord Stream-Sprengung: Warschau reagiert nervös

Nach US-Bericht über Nord Stream-Sprengung: Warschau reagiert nervös

Warschau/Berlin. Nach den jüngsten Veröffentlichungen des „Wall Street Journal“ (WSJ) über neue Erkenntnisse zur Nord Stream-Sprengung im September 2022 gibt es in Warschau Anzeichen der Unruhe. Dem WSJ zufolge soll die Idee zur Sprengung der Pipelines in ukrainischen Regierungskreisen und unter Beteiligung von Präsident Selenskyj aufgekommen sein. Auch Polen soll frühzeitig informiert gewesen sein.

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Den letzteren Verdacht bestätigte vor dem Hintergrund des WSJ-Berichts auch der frühere Präsident des Bundesnachrichtendienstes, August Hanning, gegenüber der „Welt“. Er sagte: „Ich glaube, daß es Verabredungen zwischen Präsident Selenskyj und Duda gab, den Anschlag auszuführen.“ Bestätigt sieht sich der Ex-BND-Chef in dieser Annahme durch die Tatsache, daß Warschau zwar im Juni ein Auslieferungsersuchen gegen einen in Polen lebenden Ukrainer erhalten habe, der ins Visier der deutschen Ermittler geraten ist – doch im Juli konnte der Mann offenbar ungehindert in die Ukraine ausreisen, was die polnischen Behörden letzte Woche offiziell mitteilten. Hanning erklärte daraufhin, Polen habe „kein Interesse an einem Erfolg der Ermittlungen“, weil das Land „in die Vorbereitung des Anschlags massiv involviert“ gewesen sei.

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Polen reagiert auf solche Verlautbarungen auffallend aggressiv. Der polnische Regierungschef Donald Tusk forderte Fürsprecher des Projekts Nord Stream rundweg dazu auf, den Mund zu halten. Auf X schrieb er: „An alle Initiatoren und Schirmherren von Nord Stream 1 und 2: Das einzige, was ihr jetzt tun solltet, ist, euch entschuldigen und still sein.“

Ein noch entlarvenderes Signal kam vom Leiter des nationalen Sicherheitsbüros in Warschau, Jacek Siewiera. Er kommentierte Tusks Botschaft mit den Worten: „Schlechte Nachricht für die Angesprochenen: In Polen gibt es einen felsenfesten Konsens über diese Angelegenheit.“ Dazu fügte er ein zwinkerndes Smiley hinzu. Die von Siewiera „Angesprochenen“, also in erster Linie die deutschen Ermittlungsbehörden, können sich auf eine solche Anspielung ihren eigenen Reim machen.

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Daß Polen mehr weiß, als Warschau offiziell einräumt, vermuten Beobachter nicht erst seit dem jüngsten WSJ-Bericht. Bereits am Tag des Anschlags auf die vier Nord Stream-Pipelines, am 26. September 2022, hatte der frühere polnische Verteidigungsminister Radoslaw Sikorski kurz nach den Sprengungen das Ereignis mit den Worten kommentiert: „Thank you, USA“. (mü)

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