Nach erneuten Niederlagen im Donbass: Kritik an der russischen Führung wächst
Moskau/Lyman. In der Ostukraine mußten die russischen Streitkräfte jetzt eine weitere herbe Niederlage einstecken. Am Wochenende gelang es ukrainischen Verbänden, die als Verkehrsknotenpunkt wichtige Stadt Lyman zurückzuerobern. Moskau räumte den Rückzug der eigenen Kräfte ein, nachdem diesen – angeblich rund 5-6000 Mann – die Einkesselung drohte.
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Auf russischer Seite sorgt die erneute Niederlage für erbitterte Kommentare und auch offene Kritik an der Militärführung. So forderte die einflußreiche Bloggerin und ehemalige PR-Chefin des Duma-Vorsitzenden Wjatscheslaw Wolodin, Anastassija Kaschewarowa, Antworten von Verteidigungsminister Schoigu und Generalstabschef Gerassimow: „Weiß der Präsident von den Vorfällen? Wer berichtet ihm? Wo ist die Ausrüstung? Wo sind die Armata? Wo ist alles? Wie konnte das passieren? Eingesackt? Verkauft? Wo ist es hin? Gab es das überhaupt?“
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Auch der tschetschenische Präsident Kadyrow, der als Putin-treu gilt, meldete sich mit herber Kritik zu Wort und machte Mißstände in der russischen Militärführung öffentlich. Er verlangte, den für den Frontabschnitt verantwortlichen Generaloberst Alexander Lapin abzusetzen, zu degradieren und als einfachen Soldaten an die Front zu schicken. Die bedrohliche Situation in Lyman sei schon vor zwei Wochen gemeldet worden. „Eine Woche später verlegt Lapin seinen Stab nach Starobilsk, mehr als 100 Kilometer von seinen Untergebenen entfernt, und verdrückt sich selbst nach Luhansk. Wie kann man operativ seine Einheiten befehligen, wenn man sich 150 Kilometer entfernt befindet“, machte Kadyrow seinem Ärger Luft. Er forderte, den Einsatz von Atomwaffen mit geringer Reichweite in Betracht zu ziehen.
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Tatsächlich steht die Frage im Raum, wie Moskau auf die jüngsten militärischen Schlappen reagieren wird. Experten gehen davon aus, daß die jüngst ausgerufene Teilmobilisierung von mindestens 300.000 Reservisten frühestens im November auf dem ukrainischen Kriegsschauplatz Wirkung entfalten kann. (mü)
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