Machtwechsel in Kabul: Keine Exzesse – aber versöhnliche Töne
Kabul. Während westliche Medien und Politiker den Sieg der Taliban in Afghanistan durchweg im Tonfall der Betroffenheit kommentieren, vollzieht sich der Machtwechsel in Kabul in durchaus geordneten Bahnen. Zu Exzessen und Vergeltungsmaßnahmen ist es bislang offenbar nicht in größerem Stil gekommen, und die neuen Machthaber geben sich besonnen, staatsmännisch, ja versöhnlich. Abonniere jetzt: >> Die starke Stimme für deutsche Interessen
Ein Taliban-Sprecher rief in einem Video alle Landsleute, die panikartig geflohen waren, dazu auf, zurückzukehren. Man versichere, daß niemandem etwas geschehen werde. Weder Zivilisten noch Botschaftspersonal hätten etwas zu befürchten. Die Hauptstadt Kabul wurde außerdem nach vorherigen Verhandlungen mit der alten Regierung friedlich übergeben.
Die neuen Machthaber zeigen sich gegenüber ausländischen Medien sehr aufgeschlossen. Bei einer Pressekonferenz im Präsidentenpalast wurde angekündigt, daß das Land wieder wie vor dem Krieg „Islamisches Emirat Afghanistan“ heißen solle. Man wolle eine „offene, inklusive Regierung“ bilden. Taliban-Sprecher Mohammed Naim betonte, daß man mit allen Konfliktparteien Frieden schließen wolle und daß kein Afghane etwas zu befürchten habe. Man wolle auch mit der internationalen Staatengemeinschaft in Dialog treten. (mü)
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