Kriegsdienstverweigerer-Zahlen schnellen in die Höhe: „Es ist tatsächlich ziemlich ernst“
Berlin. Die Bundeswehr ist nicht nur zu weiten Teilen nicht einsatzbereit. Jetzt laufen ihr auch noch die Soldaten davon. Die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung schnellen in die Höhe. Das Verteidigungsministerium bestätigte, daß sich in einem „untypisch kurzen Zeitraum“ die Zahl der Anträge auf eine dreistellige Höhe „dynamisiert“ habe. In Zahlen: „Seit Beginn der Kampfhandlungen in der Ukraine am 24. Februar 2022 bis zum 21. März 2022 sind insgesamt 329 KDV bei den Karrierecentern der Bundeswehr eingegangen.“
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2019 wurden 126, 2020 142 und im Jahr 2021 bereits 209 Anträge gestellt. Den Zahlen ist nicht zu entnehmen, ob es sich um aktive Soldaten oder Reservisten handelte. Die Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages Eva Högl bestätigte schon Mitte März entsprechende Tendenzen. Zu den Beweggründen der Antragsteller erläuterte sie: „Vielen wird jetzt klar, daß die Bundeswehr eben nicht vergleichbar ist mit einem Job in einem Büro oder einer Kfz-Werkstatt, wie es die eine oder andere Kampagne in den letzten Jahren suggeriert hat. Sondern, daß es tatsächlich ziemlich ernst ist und man im Zweifelsfall auch mit dem Leben dafür einsteht.“
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Auch die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) meldet einen erheblichen Ansturm auf Beratungsgespräche. Der Beauftragte für „Friedens- und Versöhnungsarbeit“ bei der Landeskirche, Michael Zimmermann, bestätigt, daß „in normalen Zeiten“ ein bis zwei Anfragen im Monat erfolgt seien. Nun seien es „plötzlich bis zu zehn am Tag“.
Allerdings: für aktive Zeit- oder Berufssoldaten ist es laut Aussagen eines Anwalts „extrem schwer, den Kriegsdienst zu verweigern“. Fast jeder Antrag würde „zunächst einmal vom Bundesamt reflexhaft abgelehnt – egal, welche Begründung jemand vorgelegt hat“. Der Anwalt habe nichtsdestotrotz in den letzten vier Wochen „so viele Anträge gestellt wie normalerweise in einem Jahr“. (rk)
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