Kommission zieht vernichtendes Resümee: Deutscher Afghanistan-Einsatz war rundum ein Reinfall
Berlin. Danach ist man immer klüger. Das müssen sich mindestens drei Bundeskanzler und ein halbes Dutzend Bundesregierungen ins Stammbuch schreiben lassen, die seit 2001 die Bundeswehr in einen knapp 20 Jahre währenden Auslandseinsatz in Afghanistan schickten. Dessen Bilanz fällt nach Einschätzung einer eigens dafür ins Leben gerufenen Kommission verheerend aus.
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Die Kommission übergab jetzt in Berlin ihren 338 Seiten starken Bericht an Bundestagspräsidentin Bas (SPD). Sie kommt zu einem vernichtenden Fazit: der deutsche Afghanistan-Einsatz, der bald nach der amerikanischen Intervention im Dezember 2001 begann und bis zum desaströsen Abzug 2021 dauerte, war in jeder Beziehung ein Fehlschlag: militärisch ebenso wie politisch.
„Mit dem Abzug und der Machtübernahme der Taliban 2021 ist Deutschland gemeinsam mit seinen internationalen Partnern (...) strategisch gescheitert, Ergebnisse und gesteckte Ziele dauerhaft abzusichern“, heißt es im Bericht verharmlosend. Man sei dabei nicht nur im Kampf gegen den Terror gescheitert, sondern auch politisch beim Aufbau eines stabilen Staatswesens. Auch habe man bei der Finanzierung ziviler Projekte die Kapazitäten einheimischer Partner „teilweise überschätzt“, die internationale Abstimmung sei zu „kompliziert“ gewesen, und selbst mit der afghanischen Kultur habe man sich „nicht im notwendigen Maße“ auseinandergesetzt. Ein vernichtenderes Resümee ist kaum mehr vorstellbar.
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Speziell auch die Bundeswehr als ausführendes Organ sei ihrer Aufgabe nicht gerecht geworden. Es habe ihr am „notwendigen Ressourceneinsatz", aber auch an der adäquaten Ausrüstung gefehlt. Letztere sei „nicht dynamisch genug an die Bedrohungslage in Afghanistan angepaßt“ gewesen. Nur vorübergehend sei es gelungen, die Lebensverhältnisse, das Gesundheits- und Bildungssystem sowie die Lage der Frauen in Afghanistan zu verbessern.
Um wenigstens irgendeinen positiven Aspekt hervorheben zu können, vermerkt die Kommission dann noch: „Der Einsatz in Afghanistan war und ist Anlaß für einen Lernprozeß, der zu einer Weiterentwicklung und zu Anpassungen in der Bundeswehr und den beteiligten Ministerien beigetragen hat.“ An einer alles in allem gescheiterten Mission ändert das nichts. (he)
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