Kiew räumt große Probleme an der Front ein: „Die Situation ist nicht gut“
Kiew. Selbst aus den Reihen der ukrainischen Führung werden die Eingeständnisse jetzt lauter, daß die Sitution an der Front schwierig ist. Erst vor wenigen Tagen hatte Präsident Selenskyj sie in einer zehnminütigen Live-Zuschaltung zum EU-Gipfel in Brüssel als „verheerend“ bezeichnet.
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Er bekräftigte diese Einschätzung jetzt in einem interview der größten japanischen Heitung „Yomiuri Shimbun“ und räumte ein, die Lage sei „nicht gut“. Auch die angekündigte ukrainische Gegenoffensive könne wegen unzureichender Materiallieferungen aus dem Westen nicht begonnen werden. Wörtlich: „Wir können sie noch nicht starten. Ohne Panzer, Artillerie und HIMARS-Langstreckenraketen können wir unsere tapferen Soldaten nicht an die Front schicken.“ Angesichts des gravierenden Mangels an Munition müsse man auf weitere Lieferungen der westlichen Partner warten. „Wenn Sie den politischen Willen haben, können Sie einen Weg finden, uns zu helfen. Wir befinden uns im Krieg und können nicht warten.“
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Beobachter weisen darauf hin, daß Selenskyj erstmal eingeräumt habe, die lange angekündigte Gegenoffensive könne sich wegen des Mangels an westlicher Ausrüstung verzögern. Gleichzeitig mehren sich auch im Ausland die kritischen Stimmen – selbst in den USA, was von besonderem politischen Gewicht ist. So hat erst kürzlich ein ukrainischer Kommandeur namens Krupol gegenüber der „Washington Post“ enthüllt, wie dramatisch die Situation an der Front tatsächlich ist.
Die Qualität der ukrainischen Streitkräfte soll sich demnach nach einem Jahr voller Verluste deutlich verschlechtert haben, weil viele der erfahrenen Kämpfer inzwischen gefallen sind. Gleichzeitig habe der Zustrom unerfahrener Wehrpflichtiger, die zur Deckung der Verluste herangezogen wurden, das Profil der ukrainischen Streitkräfte verschlechtert.
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Krupols Bataillon, das zur 46. Luftsturmbrigade gehört, hat Bachmut verteidigt und wurde dabei praktisch aufgerieben, berichtete der Kommandeur. Zu Beginn des Krieges bestand es aus 500 Mann, die mittlerweile alle verletzt oder getötet worden seien. Danach sei das Bataillon immer wieder aufgefüllt worden, allerdings seien die neu eingezogenen Soldaten sehr schlecht ausgebildet und könnten weder ein Gewehr abfeuern noch eine Handgranate werfen.
Krupol, der mit seinen Schilderungen offenbar die eigene Kiewer Militärführung aufrütteln wollte, fand deutliche Worte: „Das Wertvollste im Krieg ist Kampferfahrung. Ein Soldat, der sechs Monate Kampf überlebt hat, und ein Soldat, der von einem Schießstand kommt, sind zwei verschiedene Soldaten. Es ist Himmel und Erde.“ Nach den schweren Verlusten gebe es nur noch „wenige Soldaten mit Kampferfahrung. Leider sind sie alle schon tot oder verwundet.“ Die neuen Rekruten seien auf die Kämpfe nicht vorbereitet: „Sie lassen einfach alles fallen und rennen weg. Das war’s. Verstehen Sie, warum? Ein Soldat schießt nicht. Ich frage ihn, warum, und er sagt: ‚Ich habe Angst vor dem Geräusch des Schusses.‘ Und aus irgendeinem Grund hat er noch nie eine Granate geworfen.“ Die Ausbilder hätten „bei ihrer Aufgabe versagt”.
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Auch Krupol räumte den Munitionsmangel an der Front ein. Selbst Gewehrmunition und Mörsergranaten fehlten. „Wir stehen an der Frontlinie. Sie kommen auf uns zu, und wir haben nichts, womit wir schießen können.“ Der Kommandeur wurde nach dem Interview umgehend degradiert, berichtet der „Stern“. Er soll das Militär inzwischen verlassen haben. Ein Sprecher des ukrainischen Militärs sagte, Krupol habe „falsche Informationen verbreitet“. Die Verluste in der Einheit seien „deutlich übertrieben“. (mü)
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