Keine „Zeitenwende“ weit und breit: Der Personalmangel bei der Bundeswehr wird schlimmer

Keine „Zeitenwende“ weit und breit: Der Personalmangel bei der Bundeswehr wird schlimmer

Berlin. Um die von Bundeskanzler Scholz beschworene „Zeitenwende“ bei der Bundeswehr ist es inzwischen wieder recht still geworden. Sie kommt auch nach eineinhalb Jahren nicht recht voran. Und eine besonders schwierige Baustelle ist die chronische Personalnot, unter der die Bundeswehr seit der Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 leidet. Jetzt zeigen aktuelle Zahlen, daß der Personalmangel eher noch größer wird.

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Aufwendige Kampagnen, Sommercamps und Karriere-Center konnten den negativen Trend bislang nicht stoppen. In den ersten Monaten des Jahres bewarben sich erneut deutlich weniger Männer und Frauen bei der Bundeswehr als im Vorjahreszeitraum, wie aus internen Unterlagen des Verteidigungsministeriums hervorgeht. Bis Ende Mai entschieden sich insgesamt 23.414 Frauen und Männer für den Soldatenberuf und damit rund 7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Eigentlich wollte Verteidigungsminister Pistorius die Mannstärke der Bundeswehr bis 2031 auf 203.000 Soldaten anheben. Aber daraus wird nach Lage der Dinge nichts. Derzeit liegt der Personalstand bei gerade einmal 180.770 Soldaten. Auch das Bundesverteidigungsministerium mußte den neuen Tiefstand bereits einräumen.

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In den internen Papieren warnen Fachleute im Ministerium vor weiteren Folgen des Nachwuchsmangels. „Die weiterhin sinkenden Bewerbungseingänge werden absehbar eine Beibehaltung der derzeit hohen Qualität in der Personalauswahl erschweren“, heißt es in dem Dossier.

Bisher stellte die Bundeswehr an ihre Bewerber vergleichsweise hohe Anforderungen. Auch galt eine Altersgrenze von 29 Jahren für Bewerber, die jedoch aufgrund des Fachkräftemangels inzwischen aufgeweicht wurde.

Ein Problem ist auch die hohe Abbrecherquote von 21 Prozent bei den Rekruten. Nach einer Studie der Bundeswehr schreckt vor allem der frühe Dienstbeginn um 7 Uhr viele Bewerber ab. Auch da will die Bundeswehr gegensteuern und verschiebt den Dienstbeginn versuchsweise in einigen Bereichen auf eine Stunde später.

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Mit zahlreichen öffentlichkeitswirksamen Aktionen versucht das Bundesverteidigungsministerium schon seit Jahren, gegen den Personalschwund vorzugehen. Bereits 2016 wurde unter der ehemaligen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen das Programm „Trendwende Personal“ gestartet, das Neueinstellungen vorantreiben und vor allem mehr Frauen in die Kasernen locken sollte. Die Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD) wünscht sich gar 30 Prozent Frauen in der Bundeswehr. Vielleicht sind das einfach die falschen Prioritäten. (he)

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