Keine moralische Instanz: Chodorkowski ruft zum Regimewechsel in Rußland auf
Moskau/London. Das überrascht nicht: Michail Chodorkowski, Ex-Oligarch, vormals reichster Mann Rußlands und wegen Steuerhinterziehung und planmäßigen Betrugs jahrelang im Gefängnis, versucht, die Nawalny-Affäre für eine Retourkutsche zu nutzen. Er forderte jetzt von seinem Londoner Exil aus die russische Opposition zu einem radikaleren Vorgehen gegen die Regierung auf. Abonniere jetzt: >> Die starke Stimme für deutsche Interessen
Die bisherigen, eher leisen Proteste reichten nicht aus. „Solche Aktionen werden in unserem Land nicht zu einem Machtwechsel führen“, sagte er. „Die herrschende Regierung ist heute dazu bereit, zu schießen, zu töten, zu vergiften, wie wir alle sehen. Veränderung wird es nur geben, wenn die Menschen wirklich auf die Barrikaden gehen.“
Dabei ist Chodorkowski allerdings kein guter Ratgeber, und sein Leumund ist auch unter kremlkritischen Russen nicht der beste. Der russische Oligarch konnte durch die brachiale Privatisierungspolitik des früheren russischen Präsidenten Jelzin traumhafte Gewinne vor allem im Energiesektor machen. Mit Blick auf sein riesiges Vermögen erklärte er mehrmals öffentlich, er könne nicht nur Parlamente, sondern auch Wahlergebnisse kaufen. Er machte sich demonstrativ für einen Einstieg amerikanischer Ölkonzerne bei russischen Energiekonzernen stark. Dies konnte von der Regierung unter Wladimir Putin verhindert werden, als Chodorkowski im Oktober 2003 unter dem Verdacht der Unterschlagung und Steuerhinterziehung festgenommen wurde. Ihm wurde vorgeworfen, am russischen Staat einen Gesamtschaden in Höhe von über einer Milliarde US-Dollar verursacht haben. Nach jahrelanger Haft wurde Chodorkowski 2013 begnadigt und lebt seither im Londoner Exil. (mü)
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