Joschka Fischers Kehrtwende: Einstiger Wehrdienst-Gegner fordert allgemeine Wehrpflicht

Joschka Fischers Kehrtwende: Einstiger Wehrdienst-Gegner fordert allgemeine Wehrpflicht
Pixabay/gemeinfrei

Berlin. Lange ist es her, daß sich die Grünen als Friedenspartei in der deutschen Politik etablieren konnten. Einer der damaligen Wortführer war in den 80er- und 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts der spätere Außenminister Joschka Fischer. Neben anderen grünen Bannerträgern wie Anton Hofreiter oder Ex-Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hat sich der heute 77jährige vom früheren Pazifisten zum Befürworter der Wehrpflicht gewandelt. Jetzt sprach er sich – während in Regierungskreisen noch über einen freiwilligen Wehrdienst diskutiert wird – rundheraus für eine Wiederführung der Wehrpflicht aus – ohne Freiwilligkeit. „Ich bin der Meinung, daß wir wieder eine Wehrpflicht brauchen. Der Personalbestand der Bundeswehr ist verdammt niedrig“, erklärte Fischer im Gespräch mit dem „Spiegel“. Die von Union und SPD geplante Einführung eines freiwilligen Wehrdienstes hält er für unzureichend: „Wenn wir abschreckungsfähig werden wollen, wird das ohne eine Wehrpflicht nicht gehen.“

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Fischer, der seine frühere Haltung heute für einen Fehler hält, fordert eine geschlechtergerechte Lösung: „Beide Geschlechter sind gefragt. Entweder wir haben die Gleichstellung, oder wir haben sie nicht.“ Der Ex-Außenminister begründet seine neue Position mit der veränderten Sicherheitslage: „Für die eigene Freiheit muß man einstehen. Wenn es darauf ankommt, auch kämpfen.“ Zwar bedauere er die Notwendigkeit der Aufrüstung, doch sehe er angesichts der weltpolitischen Entwicklungen keine Alternative.

Die derzeitige Bedrohungslage schätzt Fischer als äußerst ernst ein. Auf die Frage nach einem möglichen Dritten Weltkrieg antwortete er: „Das Risiko ist erheblich gewachsen! Wenn wir ausschließen wollen, daß es zu einer bewaffneten Konfrontation kommt, müssen wir alles tun, um Europa mit militärischer Macht auszustatten.“ Besonders kritisch sieht Fischer den Rückzug der USA aus Europa: „Wir sind heute allein und können uns nur auf uns selbst verlassen.“ (rk)

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