Ifo-Chef Hans-Werner Sinn: Die guten Zeiten sind „für eine längere Periode“ vorbei
München. In den Chor der Warner vor turbulenten Zeiten hat sich jetzt auch der Ökonom und langjährige Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, eingereiht. Er prophezeit Deutschland in einem Interview des „Münchner Merkur“ schwere Jahre. Schuld daran sei aber nicht nur der Krieg in der Ukraine, sondern vor allem die ungelösten demografischen Probleme im Land, das anhaltende Versagen des Staates und die enorme Verschuldung der letzten Jahre.
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„Wir haben nun mal die Baby-Boomer, die heute 56- bis 60jährigen, die bald in Rente gehen wollen. Hinter dieser Bevölkerungskohorte kommen nicht mehr allzu viele neue Menschen nach. Wir haben ein riesiges Versorgungsproblem, weil die Arbeitsbevölkerung wegbricht“, stellt Sinn fest. Der Staat werde damit „heillos überfordert“ sein. „Die sozialen Sicherungssysteme sind nicht in der Lage, die Entwicklung des Lebensstandards so fortzuführen, wie wir es gewohnt sind.“ Die Bürger seien gut beraten, rechtzeitig für das Rentenalter zu sparen: „Sorgt selber für euch. Glaubt nicht daran, daß der Staat das schafft.“
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Den Staat kritisiert der Münchner Wirtschaftsforscher aber auch deshalb, weil er es versäumt habe, Lösungen zu finden. Jetzt sei es zu spät. Die guten Zeiten, prophezeit Sinn, seien nicht nur für die nächsten zehn, 15 Jahre, sondern „für eine längere Periode“ vorbei. Dabei wisse man schon seit den 80er Jahren, daß es so kommen werde. „Doch ist der öffentliche Diskurs zu kurzatmig, um das zu hören.“
Jungen Menschen rät Sinn, wieder auf die traditionelle Familie zu setzen, also Kinder zu bekommen. „Der Zusammenhalt in der Familie wird angesichts der Schwierigkeiten des Staates immer wichtiger werden.“
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Im übrigen müsse der Bund endlich mit dem Schuldenmachen aufhören und wieder eine langfristige Strukturpolitik betreiben. Die Bundesregierung dürfe Themen wie Klimarettung, Bildung oder Infrastruktur nicht als Begründung für neue Schulden nehmen.
Deutliche Kritik übt der Wirtschaftswissenschaftler an den Grünen. Spätestens Putin habe klargemacht, daß deren „Energiewende“ ein Scherbenhaufen sei. Auch Strom aus Gaswerken sei weiter zwingend notwendig, weshalb der Münchner Ökonom auch dem vieldiskutierten Gas-Embargo gegen Rußland eine klare Absage erteilt. (rk)
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