Gift für die deutsche Wirtschaft: Immer mehr „Zombie-Firmen“ verschleppen Insolvenz

Berlin. Noch ein Nebeneffekt der Corona-Krise: sogenannte „Zombie-Firmen“ gefährden die deutsche Wirtschaft immer mehr. Dabei handelt es sich um überschuldete Firmen, die eigentlich längst Insolvenz anmelden müßten. Doch seit März gilt wegen Corona eine Aussetzung der Meldepflicht, die jetzt nach Politiker-Vorstellungen um weitere Monate verlängert werden soll. Dadurch steigt die Zahl der bereits überschuldeten Firmen immer weiter. Abonniere jetzt: >> Die starke Stimme für deutsche Interessen

Nach Einschätzung der Auskunftei „Creditreform“ liegt die Zahl der verdeckt überschuldeten Unternehmen derzeit bei 550.000. Sollte die Anmeldepflicht wie von Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) geplant bis Ende März 2021 weiter ausgesetzt werden, wird diese auf 700.000 bis 800.000 Firmen steigen.

Die neuen Problemfälle sind aus Sicht von Ökonomen Gift für die Wirtschaft. „Denn die Insolvenzen werden derzeit nur verschoben“, warnt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter Wirtschaftsforschung bei der Auskunftei Creditreform. „Dadurch könnten viele derzeit noch gesunde Firmen mit in den Abgrund gerissen werden.“ Christoph Niering, Vorsitzender des Verbands der Insolvenzverwalter (VID), befürchtet eine „nicht mehr kalkulierbare Kettenreaktion“.

Die finanziellen Lasten würden auf andere verschoben, etwa Vermieter, Lieferanten und Banken. Die Union befürwortet deshalb nur eine Verlängerung bis Ende 2020. „Wir dürfen den Selbstreinigungsprozeß des Marktes nicht ausschalten. Unternehmen, die unabhängig von Corona nicht gesund sind und keine wirtschaftliche Perspektive haben, müssen aus dem Markt ausscheiden“, sagte Jan-Marco Luczak, rechtspolitischer Sprecher der Union. (ts)

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