Geste der Provokation: Bei NATO-Ostseeübung „Northern Coasts“ wird der Angriff geübt
Rostock. Nach dem knapp zweiwöchigen Luft-Großmanöver „Air Defender 23“, das im Juni stattfand und von der NATO als klare Drohung an die Adresse Rußlands verstanden wurde, versucht sich das westliche Militärbündnis jetzt in einer weiteren Einschüchterungsgeste: vor den Küsten Lettlands und Estlands haben zweiwöchige Marinemanöver unter dem Decknamen „Northern Coasts“ („Nordküsten“) begonnen.
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Bemerkenswert: wie schon bei „Air Defender 23“ ist wieder Deutschland bei der Organisation des Manövers federführend. Marineinspekteur Jan Christian Kaack riskiert dabei eine erstaunlich große Lippe – nicht nur in Anbetracht der letzten kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Rußland, sondern auch angesichts der bescheidenen Kapazitäten der Bundesmarine. Bei einer Pressekonferenz im Marine-Führungszentrum in Rostock erklärte er: „Abschreckung beinhaltet die Fähigkeit zum Angriff.“ Man sende ein „klares Signal der Wachsamkeit“ an Rußland.
Insgesamt 14 Länder nehmen seit 9. September an der NATO-Übung in der Ostsee teil. Unter ihnen sind zahlreiche NATO-Alliierte außerhalb des Baltikums wie Kanada, die Niederlande, Belgien, Frankreich, die USA und Schweden, das dem Militärbündnis noch nicht beigetreten ist. Die NATO-Marine hält jährlich Übungen zur kollektiven Verteidigung der Nordküsten in der Ostsee ab. Diesmal umfassen die Kriegsspiele auch simulierte Angriffe auf Rußland – vor dem Hintergrund des laufenden Krieges in der Ukraine und der jederzeitigen Möglichkeit einer Eskalation nicht gerade eine vertrauensschaffende Maßnahme.
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Mehr als 3000 Soldaten und 30 Kriegsschiffe sind an den Übungen beteiligt. Die US-Marine bereitet die Entsendung der „Mesa Verde“ vor, eines mehr als 200 Meter langen Transportschiffes, das bis zu 800 Marinesoldaten bei einem Landungsunternehmen transportieren kann. Tatsächlich sollen die Soldaten amphibische Operationen und Angriffe von See auf Land üben. In einer Pressemitteilung spricht die NATO von der Simulation von „amphibischen Operationen, Luftverteidigung, Angriffen von See auf Land und der Sicherung von Seewegen“.
Wie „Air Defender 23“ findet „Northern Coasts“ nicht nur ebenfalls unter deutscher Führung statt. Auch „Northern Coasts“ geht wie das große NATO-Luftmanöver im Juni auf eine ausdrückliche deutsche Initiative zurück. Schon 2007 rief die Bundesmarine die jährlichen Seemanöver ins Leben. Für die Durchführung sind im jährlichen Wechsel Deutschland, Dänemark, Schweden und Finnland verantwortlich.
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Offenbar sieht sich Deutschland innerhalb des westlichen Militärbündnisses zu Höherem berufen und strebt auch eine noch engere Verzahnung der deutschen militärischen Strukturen mit denen der NATO an. Im Kontext des „Northern Coasts“-Manövers schlug der deutsche Marine-Generalinspekteur dem westlichen Bündnis auch gleich die dauerhafte Errichtung eines NATO-Hauptquartiers für die Ostsee vor. Führen könnte dieses praktischerweise gleich der Stab in Rostock, der jetzt bereits das laufende Ostsee-Manöver verantwortet. Die Bundesmarine solle in die Führung größerer Marineverbände „einsteigen“. Die erforderliche „Expertise“ sei am Standort Rostock bereits angesiedelt, ließ Vizeadmiral Kaack mitteilen. (mü) Foto: Alexander Feja/Bundeswehr Fordern Sie hier ein kostenloses Leseexemplar des Deutschen Nachrichtenmagazins ZUERST! an oder abonnieren Sie hier noch heute die Stimme für deutsche Interessen!
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