Fataler Bumerang-Effekt: Rußland-Sanktionen schaden dem Westen, während Rußland profitiert

Fataler Bumerang-Effekt: Rußland-Sanktionen schaden dem Westen, während Rußland profitiert

Brüssel/Moskau. Es war ein Schuß ins eigene Knie mit Ansage: schon seit Monaten prognostizieren Experten einen Mißerfolg der westlichen Rußland-Sanktionen, weil sich drei Viertel der Welt, darunter auch große Länder wie China und Indien, nicht daran beteiligen.

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Tatsächlich hat die russische Regierung derzeit Grund zur Freude: nicht nur ist der Ölpreis deutlich höher als in den vorangegangenen Jahren, auch Rußlands Ölexporte sind gestiegen – um zwölf Prozent in den ersten fünf Monaten dieses Jahres.

Die westlichen Sanktionen haben zwar die Ölexporte nach Europa und in die USA reduziert, aber nicht nach Asien. Im Gegenteil. Dort ist die Nachfrage unvermindert hoch. Asiatische Staaten haben ihre Käufe von russischem Öl sogar erhöht, da sie von den erheblichen Preisnachlässen für Rußlands wichtigste Rohölsorte infolge der Sanktionen profitieren.

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Rußlands stellvertretender Ministerpräsident Alexander Novak teilte kürzlich auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg mit: „Dies bedeutet, daß unser Öl und unsere Ölprodukte heute weltweit gefragt sind.“ Der Anstieg hänge auch mit dem geringeren Raffinierungsvolumen und der Neukonfiguration der Raffinerien in Rußland zusammen.

Rußland erhöht vor allem seine Lieferungen nach Asien. Dem Vorstandsvorsitzenden von Gazprom Neft zufolge, Alexander Dyukov, liefert Rußland inzwischen bereits 50 Prozent seines Öls nach Asien. „Zu Beginn des Jahres gingen drei Viertel unseres Öls nach Europa, jetzt werden mehr als 50 Prozent an den asiatischen Markt geliefert“, sagte er auf dem Forum. Das zeigen auch Analysen des österreichischen Beratungsunternehmens Kepler.

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Die EU will bis Ende des Jahres ihre russischen Ölimporte um 90 Prozent kappen. Mehr als fraglich ist, ob dadurch auch die russische Produktion zurückgehen wird – bekanntlich will der Westen die russische Wirtschaft mit seinen Sanktionen „ruinieren“. Gazprom-Chef Dyukov sagte, daß Europa wahrscheinlich ohne russisches Öl auskommen könne, aber die Frage ist, welchen Preis es dafür zahlen muß.

Auch der deutsche Top-Ökonom Hans-Werner Sinn vom Münchner ifo-Institut äußerte sich skeptisch zu den Sanktionen: „Solange wir China nicht im Boot haben, können wir Rußland mit Sanktionen nicht niederringen“, meinte er gegenüber dem „Münchner Merkur“.

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Und bezüglich des Gasembargos erklärte er: „Damit schädigen wir zwar auch die Russen ein bißchen – aber vor allem uns selbst. Die Russen haben nämlich China als alternativen Kunden.“ Sprich: „Der Westen kann Rußland also den Gashahn abdrehen, nicht aber den Geldhahn. Seine Embargopolitik treibt Rußland in die Arme Chinas und stärkt gerade dasjenige Land, das die USA in der Zukunft am meisten werden fürchten müssen.“ (mü)

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