Experten sehen schwarz: Deutschland drohen Abwanderung und Deindustrialisierung

Experten sehen schwarz: Deutschland drohen Abwanderung und Deindustrialisierung

Berlin. Bundeswirtschaftsminister Habeck (Grüne) gibt sich zuversichtlich: auf der Industriekonferenz 2022 in Berlin widersprach er mit Nachdruck pessimistischen Prognosen, wonach Deutschland wegen der explodierenden Energiepreise Deindustrialisierung und die Abwanderung von Unternehmen ins Ausland befürchten müsse. „Es scheint eine Lust am Herbeireden des Untergangs zu geben, die falsch ist“, sagte Habeck, „aber wir werden das hinkriegen, wir werden ein Industrieland bleiben.“

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Das klingt auffallend nach der berühmten Parole „Wir schaffen das“ der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel, die damit die Bewältigung des (von ihr selbst verursachten) Asyldesasters 2015/16 beschwor.

Auch Habecks demonstrative Zuversicht steht im eklatanten Widerspruch zu aktuellen Zahlen und einer wachsenden Zahl von Expertenprognosen. Demnach steht der Wirtschaftsstandort Deutschland vor einschneidenden Veränderungen. Vieles spricht dafür, daß nicht nur eine Rezession bevorsteht, sondern vielmehr ein struktureller Umbruch der jahrzehntelang erfolgreichen deutschen Wirtschaftslandschaft. Es ist nicht einmal mehr sicher, daß Deutschland auch künftig eine Industrienation sein wird.

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Längst stellt sich heraus: die Bundesrepublik zahlt einen hohen Preis für ihr doppeltes Versagen in puncto Energiepolitik. Schon in den letzten Jahren wurden dafür sukzessive die Voraussetzungen geschaffen, zuletzt mit der 2021 in Kraft getretenen CO2-Bepreisung. Dabei handelt es sich um eine reine Fiktion, die einen völlig aus der Luft gegriffenen Geldwert für mutmaßliche Umweltschädigungen zugrundelegt, die durch Autofahren, Fliegen und jede Art der Industrieproduktion verursacht werden. Die Summe, die dafür an den Staat bezahlt werden muß, steigt von Jahr zu Jahr – und verteuert so die Energiepreise in Deutschland völlig willkürlich. Schon vor geraumer Zeit attestierte deshalb das „Wall Street Journal“ den Deutschen die „dümmste Energiepolitik der Welt“.

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Den finalen Schlag versetzt der deutschen Industrie nun die selbstmörderische Sanktionspolitik der Bundesregierung – gegen jede Vernunft verzichtet Deutschland wegen des russischen Einmarsches in der Ukraine auf preiswertes russisches Gas und ab Anfang 2023 auch noch auf russisches Öl. Es ist der freiwillige Weg in den ökonomischen Absturz, dem in- und ausländische Fachleute fassungslos zusehen.

Fakt ist: viele Firmen können zwei Jahre wirtschaftlicher Nackenschläge durch die Corona-Maßnahmen und die Konsequenzen der rotgrünen Sanktionspolitik nicht mehr stemmen. Der Abstieg Deutschlands vom Exportweltmeister zum „kranken Mann Europas“ ist in vollem Gange.

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„Die hohen Energiepreise und die schwächelnde Konjunktur treffen die deutsche Volkswirtschaft mit voller Wucht und belasten unsere Unternehmen im Vergleich zu anderen internationalen Standorten sehr“, ließ Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Industrie, jüngst die „Welt am Sonntag“ wissen. Jedes vierte (!) deutsche Unternehmen denke über eine Produktionsverlagerung ins Ausland nach.

Schon im Oktober stellten Ökonomen der Deutschen Bank in einer Studie eine düstere Prognose: „Wenn wir in etwa zehn Jahren auf die gegenwärtige Energiekrise zurückblicken werden, könnten wir diese Zeit als Ausgangspunkt für eine beschleunigte Deindustrialisierung in Deutschland betrachten“, lautete eine der zentralen Aussagen.

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Zu einer ähnlichen – fast wortgleichen – Einschätzung gelangte dieser Tage die Tochtergesellschaft „Strategy&“ des Wirtschaftsprüfers PricewaterhouseCoopers. Laut ihrer Analyse unter dem Titel „Business Impact Energy Prices“ könnte die Energiekrise „massive Verschiebungen der europäischen Wirtschaftsstruktur bis hin zu einer Deindustrialisierung auslösen“. In Deutschland fordern demnach vor allem die deutlich gestiegenen Gaspreise ihren Tribut und setzen neben der besonders stark betroffenen Metallindustrie auch weitere Schlüsselsektoren wie die Automobilbranche oder den Chemiesektor unter erheblichen Druck.

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„Obwohl die deutsche Industrie in den meisten Branchen weiterhin günstiger als der EU-Durchschnitt produziert, könnten Unternehmen aus den am stärksten betroffenen Sektoren ihre Produktion in andere Regionen außerhalb Europas verlagern“, heißt es in der Analyse. Die Situation für die energieintensiven Industrien bleibt nach Ansicht von „Strategy&“ auch im kommenden Jahr angespannt.

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Die dezente Abwanderung deutscher Industrieunternehmen ins Ausland ist bereits länger zu beobachten – aber jetzt nimmt die Entwicklung Fahrt auf. Schon vor der aktuellen Explosion der Energiekosten hatte etwa jede 60. deutsche Firma bereits wirtschaftliche Aktivitäten ins Ausland verlagert. Wie das Statistische Bundesamt kürzlich mitteilte, sind 1,6 Prozent der Unternehmen zwischen 2018 und 2020 diesen Schritt gegangen – vor allem wegen Kostenvorteilen. „Unser Geschäftsmodell steht enorm unter Streß“, warnte Industriepräsident Siegfried Russwurm auf der Berliner Industriekonferenz: „Die Gefahr der Abwanderung ist real.“

Aber das ist eine glatte Untertreibung. Die Wahrheit ist, daß sie längst begonnen hat. (se)

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