Ex-Oligarch Chodorkowski mit klarer Ansage: „Der Krieg in der Ukraine ist praktisch verloren“

Ex-Oligarch Chodorkowski mit klarer Ansage: „Der Krieg in der Ukraine ist praktisch verloren“

Berlin. Auf einem Kongreß des sogenannten „Antikriegskomitees“, der am 16./17. Mai in Berlin stattfand, hatte der russische Ex-Oligarch Michail Chodorkowski eine schlechte Nachricht für sein Publikum parat. Während einer Podiumsdiskussion auf dem Forum, das als Plattform radikaler Kremlgegner gilt, wartete er mit einer außerordentlich pessimistischen Prognose für die Ukraine auf.

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Gleich zu Beginn seiner Ausführungen bat der Exilant, der sich als persönlicher Gegner Putins empfindet, die ukrainischen Zuhörer, ihre Ohren zu verschließen, da er ihnen eine „bittere Wahrheit“ offenbaren müsse: „Meine Herren, Sie haben den Krieg in der Ukraine praktisch verloren. Wir haben ihn verloren.“

Der frühere Multimilliardär, der Nutznießer der Privatisierung nach dem Ende der UdSSR war und 2003 wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verurteilt wurde, begründete seine Prognose mit nüchternen Zahlenanalysen: „Einschließlich der US-Lieferungen liegt das reale Verhältnis der Kriegsausgaben  bei 2,5 zu eins zugunsten Putins, und in diesem Jahr ohne die US-Lieferungen bei vier zu eins.“ Außerdem könne Rußland viel mehr Artilleriegranaten produzieren als der Westen. Mit einem Preis von 500 Dollar pro Stück kosten sie in Rußland nur ein Zehntel oder Fünfzehntel dessen, was der Westen aufbringen muß.

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Auch die demographische Situation spricht nach Chodorkowskis Einschätzung gegen die Ukraine: am Anfang der Militäroperation habe das Bevölkerungsverhältnis 3,5 zu eins zugunsten Rußlands betragen, inzwischen liege es bei sieben zu eins. Zwar sei fraglich, ob der Bevölkerungsrückgang in der Ukraine aufgrund der Gebietsverluste und der Auswanderungsbewegungen das ohnehin ungünstige Verhältnis in diesem Maße verschlechtert habe. Es sei aber unbestritten, daß die Ukraine, je länger der Krieg andauert, mit Blick auf die menschlichen Ressourcen im Vergleich zu Rußland immer schlechter dastehen werde.

Dann kam der prominente Exilant auf den Punkt: „Bei einem solchen Verhältnis von Unterstützern und Truppen wird die Ukraine Charkow bis zum Ende des Jahres verlieren. Und bis Mitte des nächsten Jahres Odessa. Das Kräfteverhältnis wird bis Ende 2025 zehn bis zwölf zu eins betragen.“

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Sollte diese Entwicklung nicht aufgehalten werden, werde der Ukraine in zwei Jahren nur noch Lemberg erhalten bleiben. Würden „NATO-Truppen, vertreten durch Polen, einmarschieren“, und das sei das optimistischste Szenario, könne alles noch schneller gehen. Da der Westen in der Ukraine wegen seiner mangelnden Unterstützung als Verräter angesehen wird, würden die Ukrainer auf die russische Seite wechseln und zusammen mit den Russen schließlich als Feinde des Westens an der Grenze zu Polen stehen, prognostizierte Chodorkowski. (mü)

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