Es geht ans Eingemachte: Deutschland droht die schlimmste Versorgungskrise seit dem Krieg
Berlin. Die Warnungen vor Lieferengpässen und leeren Regalen infolge der Rußland-Sanktionen werden lauter. Der Verband der Spediteure warnte jetzt vor einer schweren Versorgungkrise, die Deutschland droht.
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Der größte deutsche Fleischproduzent Tönnies informierte dieser Tage in einem offenen „Not-Brief“ an seine Kunden, die Kämpfe in der Ukraine beeinflußten sowohl die Lieferungen von Fleisch aus der Ukraine, Futtermittel für die heimische Mast als auch Lieferketten, was zu Engpässen führen werde. „Aufgrund der Knappheit der Schlachttiere besteht die konkrete Gefahr, kurzfristig aus der Versorgungsfähigkeit zu laufen“, heißt es. „Es gibt einfach kein Schlachtvieh“, heißt es in dem Brief. „Im Rindfleisch werden uns beispielsweise bis Ostern die Schlachttiere ausgehen, die nur mit enormen finanziellen Mehraufwand an uns gebunden werden können.“ Tönnies fordert in diesem Zusammenhang eine sofortige Anpassung der Preise nach oben.
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Auch der Branchenverband der deutschen Spediteure schlägt Alarm. Ihm zufolge steht Deutschland vor der schlimmsten Versorgungskrise seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Es drohten „zum Teil leere Supermarkt-Regale“, sagte der Vorsitzende des Bundesverbands Güterverkehr und Logistik (BGL), Dirk Engelhardt, der „Bild“. Grund sei, daß immer mehr Speditionen die hohen Kraftstoffkosten nicht mehr schultern können. „Die Situation ist deutlich angespannter als bei Corona“, sagte Engelhardt. „Es droht die schlimmste Versorgungskrise seit 70 Jahren.“ Der BGL-Chef forderte Bundeswirtschaftsminister Habeck (Grüne) auf, das Problem anzugehen und mit der Branche über Entlastungen zu sprechen.
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Tönnies zählt in seinem „Not-Brief“ gleich mehrere Faktoren auf, die Versorgung und Lieferketten gefährdeten. Strom- und Gasanbieter machten von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch und verlangten höhere Preise. Es gebe Probleme bei der Beschaffung von Frittierfetten und Senfmehl, zudem fielen ukrainische Fahrer in der Logistik aus. Schon diese Woche werde es deshalb zu Engpässen kommen. Die Ukraine liefere wöchentlich 3000 Tonnen Hähnchenbrustfilet und sei außerdem einer der größten Futtermittelzulieferer, der nun aus dem Markt falle. Lieferausfälle seien daher nicht mehr zu verhindern. „Vorhandene Kontrakte werden gekündigt und entsprechende Lieferungen nachverhandelt“, teilt das Unternehmen mit.
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Daß es an den Energie-, Rohstoff- und Getreidemärkten nicht mehr nur um hohe Preise, sondern um tatsächliche Lieferausfälle gehe, bestätigt auch Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes. An den Märkten herrsche Panik. „Die bisherige Gewißheit, daß internationale Lieferketten verläßlich sind, hatte schon im Gefolge von Corona erhebliche Risse bekommen und ist nun ganz dahin. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich dies auch in der Lebensmittel-Lieferkette bemerkbar machen wird. Die Befürchtung, daß das Prinzip ‚hohe Preise ziehen Ware‘ nicht mehr greifen könnte, scheint nicht mehr abwegig“, schreibt Krüsken auf der Webseite des Verbands. (se)
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