Ernüchterter Blick von Außen: Indischer Physiker sieht Deutschland im Niedergang
Berlin. Über die indischen Fachkräfte, die frühere Bundesregierungen für Deutschland anwerben wollten, ist viel gespottet worden. Tatsächlich haben es einige von ihnen trotz bürokratischer Hürden in die Bundesrepublik geschafft und in Deutschland Fuß gefaßt. Aber: das Land der Dichter und Denker hat sie enttäuscht.
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Einer der Betroffenen, der Physiker Mayukh Panja, forscht und lebt seit neun Jahren in Deutschland. Doch nun übt er herbe Kritik an der Entwicklung seines Gastlandes. In einem Beitrag auf X schreibt er sich seine Ernüchterung darüber von der Seele, wie sich eine einst vielversprechende Nation systematisch selbst schwäche. „Und nun, innerhalb von neun Jahren, hatte ich die unglaubliche Gelegenheit, mitzuerleben, wie sich ein Industrieland, das kurz davor stand, eine große Supermacht zu werden, durch eine Reihe schlechter politischer Maßnahmen, die jeweils darauf abzielten, sich selbst noch weiter zu schwächen, systematisch selbst dezimierte.“
Panja verweist auf die Sprengung des Kühlturms im bayerischen Gundremmingen als Symbol dieser Politik. Seiner Analyse nach haben alle diese „selbstkastrierenden“ Richtlinien eine gemeinsame Ursache: „Sie wurden alle von einigen wenigen wohlhabenden Millennials aus der Großstadt vorangetrieben, die sich moralisch überlegen fühlen und dafür gelobt werden wollten, daß sie 'gute Menschen' sind.“
Es bleibe aber unbegreiflich, „wie der Narzissmus einiger weniger ein ganzes Land zerstören kann“. Sein Mitgefühl gelte den „hart arbeitenden, ehrgeizigen Deutschen, insbesondere diejenigen, die hart gearbeitet haben, um das Land aufzubauen, und zusehen müssen, wie es von einem Haufen tugendhafter, selbstgefälliger Idioten ruiniert wird.“
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Im Gespräch mit der „Welt“ relativiert Panja seine Äußerungen: „Ein Tweet ist eine Momentaufnahme. Und keine absolute Wahrheit.“ Dennoch bleibt er im Kern bei seinen Aussagen und diagnostiziert eine Negativentwicklung, die sich in ökonomischen Realitäten niederschlage. Deutschland befinde sich seit 2022 in einer Rezession, allein in der Autoindustrie seien im vergangenen Jahr mehr als 50.000 Arbeitsplätze verlorengegangen.
Der Wissenschaftler kritisiert auch die Polarisierung technologischer Fragen: „Ich komme aus Indien. Für mich ist Atomenergie keine Frage von rechts oder links, sondern eine von sicherer Energie.“ Auch beobachte er widersprüchliche Haltungen: während man Migranten vorwerfe, nicht hart genug zu arbeiten, würden erfolgreiche Unternehmer mit Migrationshintergrund wie LAP Coffee von Linken angefeindet, „weil sie kapitalistisch sind“.
Panja diagnostiziert bei den Deutschen fundamentale Wahrnehmungsprobleme: „Ich empfinde es so, daß die meisten Dinge rein aus einer empathischen Perspektive betrachtet werden. Aber um Menschlichkeit zu ermöglichen, muß die Wirtschaft laufen.“ Eine zutiefst technikfeindliche und risikoscheue Mentalität behindere notwendige Weichenstellungen hin zum Besseren. (rk)
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