Eineinhalb Jahre danach: Cannabis-Legalisierung enttäuscht Hoffnungen

Eineinhalb Jahre danach: Cannabis-Legalisierung enttäuscht Hoffnungen
Pixabay/gemeinfrei

Berlin. Eineinhalb Jahre nach der umstrittenen Cannabis-Legalisierung in Deutschland zeigt eine erste offizielle Auswertung – im Gegensatz zu den seinerzeit ausgesprochenen Erwartungen – keine sichtbaren Auswirkungen auf den Schwarzmarkt. Es zeichne sich ab, daß die zugelassenen Anbauvereinigungen „für die vom Gesetzgeber beabsichtigte Verdrängung des Schwarzmarktes bislang keinen relevanten Beitrag leisten“, heißt es in dem in Berlin vorgelegten Bericht.

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Der Suchtforscher Jakob Manthey vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf faßte die Erkenntnisse zusammen: „Es passiert kurzfristig relativ wenig.“

Die seit 1. April 2024 geltende Legalisierung erlaubt Erwachsenen den Besitz von bis zu 50 Gramm Cannabis daheim und 25 Gramm in der Öffentlichkeit. Der private Anbau von bis zu drei Pflanzen ist gestattet, ebenso wie nichtkommerzielle Anbauvereinigungen mit maximal 500 Mitgliedern.

Die Produktion in den Anbauvereinigungen, die seit Juli 2024 beantragt werden können, habe laut Zwischenbericht weniger als 0,1 Prozent des Gesamtbedarfs ausgemacht. Zwölf bis 14 Prozent seien durch medizinisches Cannabis gedeckt worden. Der Gesamtbedarf für 2024 wurde auf 670 bis 823 Tonnen geschätzt. Eine zentrale Rolle bei den Bezugsquellen nehmen weiterhin illegale Weitergaben im sozialen Umfeld ein – auch dies eine schallende Ohrfeige für die Legalisierungsbefürworter.

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„Die vorliegenden Ergebnisse lassen bis jetzt keinen dringenden Handlungsbedarf in Bezug auf die untersuchten Bereiche erkennen“, heißt es in dem Bericht des Forschungsverbunds eher verunklarend. Bei Erwachsenen setze sich der seit etwa 15 Jahren zu beobachtende Anstieg der Konsumentenzahl wahrscheinlich leicht fort, so Suchtforscher Manthey. Die Zahl der Unfälle unter Einfluß berauschender Mittel sei vor und nach Inkrafttreten des Gesetzes gestiegen, der konkrete Einfluß der Legalisierung müsse aber noch ermittelt werden.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sieht dennoch politischen Diskussionsbedarf: „Die Zwischenevaluation des Cannabisgesetzes zeigt trotz der teilweise noch fehlenden weiteren Datengrundlage bedenkliche Tendenzen.“ Die deutliche Kritik der Sicherheitsbehörden könne die Politik nicht ignorieren. „Wir werden zusammen mit den Koalitionsfraktionen und den Sicherheitsbehörden möglichen Handlungsbedarf erörtern müssen.“ (rk)

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