Die Lage in der Ukraine: Kiews Aussichten werden zunehmend düster
Kiew/New York. Während sich im Osten und Süden des Kriegsschauplatzes in der Ukraine die Frontlinien infolge von Regen und Schlamm weitgehend verfestigt haben, macht die Zerstörung der kritischen Infrastruktur in der Ukraine durch anhaltende russische Raketenangriffe - im negativen Sinne - Fortschritte – keine Rede davon, daß der russischen Seite die Raketen ausgehen. Derzeit sind zwischen 40 und 50 Prozent der ukrainischen Stromversorgung ausgefallen. Eine angemessene Luftabwehr steht nicht zur Verfügung und kann auch nicht zeitnah eingerichtet werden.
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Bei weiter anhaltenden Angriffen auf die Stromversorgung steht zu erwarten, daß die verbliebenen Produktions- und Industriekapazitäten ihren Betrieb einstellen müssen. Insbesondere werden dann die Raffinerien nicht mehr arbeiten können, die den dringend benötigten Treibstoff produzieren. Ohne Treibstoff und Kommunikation bleiben den ukrainischen Streitkräften nicht mehr viele Optionen.
Unterdessen leeren sich infolge der massiven Rüstungslieferungen nicht nur die Arsenale der europäischen Armeen, sondern auch die amerikanischen. Nach Angaben von US-Beamten, mit denen der US-Sender CNN sprach, sieht das Pentagon nach neun Monaten Ukraine-Unterstützung seine Vorräte „schwinden“. Nach CNN-Angaben stünden die USA kurz vor der Erschöpfung ihrer Lieferkapazitäten für bestimmte Waffen an die Ukraine, darunter Granaten für 155-Millimeter-Artilleriesysteme. Die US-Industrie habe keine Zeit, die Waffenarsenale aufzufüllen.
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Seine (für die ukrainische Seite) pessimistische Prognose zum Kriegsausgang hat unterdessen der Ex-Offizier, Publizist und frühere UN-Waffeninspekteur Scott Ritter erneuert. In einem Interview der unabhängigen US-Videoplattform „The Real News“, das am 4. November aufgezeichnet wurde, weist Ritter darauf hin, daß Moskau nach neun Monaten Krieg seinen erklärten Kriegszielen – der Entmilitarisierung und „Entnazifizierung“ der Ukraine – ungleich näher gekommen sei als Kiew. Die Ukrainer hätten während ihrer erfolgreichen Offensive im September furchtbare Verluste erlitten, während den russischen Verbänden sukzessive die 300.000 neu mobilisierten Soldaten zuflössen. „Rußland gewinnt diesen Krieg“, prognostiziert Ritter, während der Westen ökonomisch wie militärisch mit seinen Möglichkeiten am Ende sei.
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Die Hoffnung Kiews, die russisch besetzten Regionen zurückzuerobern, hält Ritter für völlig realitätsfern. Setze die Ukraine ihren Widerstand fort, werde sie auch Odessa, Charkow, Dnjepropetrowsk und weitere Städte verlieren. Rußland habe keinerlei Grund für Verhandlungen, während sich Kiew vom Westen in eine aussichtslose Situation habe manövrieren lassen: „Rußland wollte weder Cherson noch Saporischschja einnehmen, aber die Ukrainer beugten sich dem Willen von Boris Johnson, der im Namen der NATO handelte und sagte, man könne keine NATO-Militärhilfe bekommen, wenn man mit den Russen verhandle. Also beendeten die Ukrainer diese Verhandlungen, und hier sind wir.“
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Nicht nur die Ukraine, sondern auch der Westen müsse sich nun Gedanken über ein Ausstiegsszenario machen, andernfalls werde der Preis für den Westen hoch. Ritter schließt seine Analyse mit der Empfehlung: „Der beste Weg, der diplomatische Weg, ist also einer, der den russischen Sieg in der Ukraine anerkennt, aber versucht, den Schaden dieses Sieges für Europa zu mindern, indem ein europäischer Sicherheitsrahmen ausgehandelt wird, der die Rechte aller achtet.“ (mü)
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