"Konditionierung der Deutschen hat Früchte getragen"

"Konditionierung der Deutschen hat Früchte getragen"

Das politische Parkett der Bundesrepublik Deutschland gleicht in diesen Tagen einer Zwei-Klassen-Gesellschaft. Da gibt es die regierungstreuen Bessermenschen, die alle Weisungen von „oben“ ohne Murren mittragen, so obskur diese auch sein mögen, vor allem wenn es sich um neue Corona-Verordnungen handelt. Abheben kann man sich innerhalb dieser Gruppe offenbar nur dadurch, daß man die bestehenden Verordnungen als immer noch unzureichend kritisiert und eine Übererfüllung einfordert. Auf der anderen Seite steht die große Gruppe der Geächteten, also alle, die den immer neuen Eingriffen der Regierung in die persönliche Freiheit und Selbstbestimmung kritisch gegenüberstehen und zur Strafe vom öffentlichen Leben weitgehend ausgeschlossen werden.

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Diese Dichotomie hat inzwischen auch den Bundestag erreicht. Dort sind alle Abgeordneten, die nicht geimpft oder getestet sind oder eine Bekanntgabe dieser Attribute verweigern, auf die Tribüne verbannt, die schnell den spöttischen Beinamen „Seuchentribüne“ erhielt. Der getrennte Oberrang des Plenarsaals erinnert an die besonders gesicherten Bereiche deutscher Fußballstadien, in die man bei Risikospielen die Gästefans zu sperren pflegt. Diese können aus ihrem Gatter heraus zwar dem Treiben auf dem Spielfeld folgen, aber eine aktive Teilnahme am Geschehen in der Arena gestaltet sich schwierig.

Genauso ist es jetzt im Deutschen Bundestag. Die Plazierung der Abgeordneten kommt zudem einem erzwungenen Outing des eigenen Impfstatus gleich, weshalb einige Mitglieder der AfD-Fraktion in der Vergangenheit einen Test verweigerten und sich aus Solidarität demonstrativ zu den Zaungästen auf der Tribüne gesellten. Durch die nun eingeführte 2G-plus-Regelung für den Plenarsaal und die Verkürzung des Genesenenstatus von sechs auf drei Monate dürfte es auf dem Oberrang bald noch voller werden, da selbst eine einfache Impfung oder eine überstandene Infektion samt negativem Test künftig nicht mehr zur regulären Sitzungsteilnahme berechtigen.

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In den Bundestagsausschüssen ist die Situation noch prekärer. Der AfD-Abgeordnete und pensionierte Bundeswehr-General Joachim Wundrak wurde trotz eines negativen Tests gleich ganz von einer Ausschußsitzung ausgeschlossen, da er kein Impfzertifikat nachweisen konnte. Nachdem es selbst von außerhalb der Partei Kritik für diesen massiven Eingriff in die grundgesetzlich garantierte Freiheit der Mandatsausübung gehagelt hatte, kam der Vorschlag auf, Wundrak eine Dolmetscherkabine zu beschaffen, aus der heraus er die Ausschußsitzung verfolgen könne.

Ein größeres Maß der Zurschaustellung bei gleichzeitiger Herabwürdigung als solch eine Ungeimpften-Zelle ist wohl kaum vorstellbar. Eine wissenschaftliche Begründung für diesen Unfug sucht man indes vergebens, denn wie von negativ getesteten (wenn auch ungeimpften) Abgeordneten eine Gefahr ausgehen soll, wird einem auch der obrigkeitshörigste Virologe nicht erklären können.

Das eigentlich Erschreckende ist jedoch das Ausbleiben des öffentlichen Aufschreis, wenn gewählte Volksvertreter an der Wahrnehmung ihrer Aufgaben gehindert und öffentlich an den Pranger gestellt werden. Hier hat die Konditionierung der Deutschen offenbar Früchte getragen.

Andreas Karsten ist Chefredakteur des Deutschen Nachrichtenmagazins ZUERST!

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