Die Deindustrialisierung nimmt Fahrt auf: Deutschland bald nur noch für Touristen interessant?
Berlin. Es ist ein Menetekel – und ein fatales Signal für den Industriestandort Deutschland: eine der traditionsreichsten Firmen, maßgeblich beteiligt an generationenlangem Wohlstand unseres Landes, macht dicht und verlegt ihre Produktion ins Ausland: der Chemieriese BASF verkauft Teile seiner Produktionsstätten in Ludwigshafen und zieht nach China um. Auch der Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp hat einen Teilverkauf seiner Stahlsparte an einen tschechischen Milliardär beschlossen. Das Traditionsunternehmen Miele errichtet Standorte in Polen und entläßt Mitarbeiter in Deutschland. Betroffen sind zudem viele Mittelständler.
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Neueste Umfragen der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) zeigen, daß 37 Prozent der deutschen Mittelständler inzwischen lieber im Ausland investieren. Die Gründe dafür sind hohe Energiekosten, hohe Arbeitskosten, hohe Steuern, außerdem fehlende Fachkräfte, überbordende Bürokratie und lange Verfahrensdauern.
Für drei Viertel der energieintensiven Unternehmen sind die Energie- und Rohstoffpreise am Standort Deutschland mittlerweile ein handfestes Geschäftsrisiko. Fast 40 Prozent fahren ihre Investitionen im Inland zurück.
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Auch mit der Beschäftigung geht es bergab: 20 Prozent der Betriebe planen in Zukunft mit weniger Beschäftigten, deutlich mehr als in den letzten Jahren.
DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben sieht „alarmierende Anzeichen einer schrittweisen Deindustrialisierung“ und warnt: „Wenn wir nicht zügig gegensteuern, verliert Deutschland seine industrielle Basis und damit die Grundlage für unseren Wohlstand. Es droht eine schleichende Abwanderung ganzer Industriezweige.“
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Christian Hartel, Vorstandschef von Wacker Chemie AG, geht noch weiter. Er warnte jüngst in der „Süddeutschen Zeitung“ davor, daß Deutschland ohne funktionierende Wirtschaft nur noch für Touristen interessant ist: „Ich möchte nicht, daß Deutschland und Europa 2040 oder 2050 lediglich zum Magneten für Touristen aus Asien werden – eine Art Disney-Land …“ Doch die Entwicklung scheint kaum noch aufzuhalten. (se)
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