Chefarzt der Westfälischen Kinderklinik: Verheerende Lockdown-Folgen bei Kindern

Dortmund. Es gibt noch keine systematischen Untersuchungen darüber – aber Experten und Kinderpsychologen warnen seit langem vor den verheerenden Folgen der Corona-Beschränkungen vor allem für Kinder. Jetzt hat sich ein prominenter Mediziner dazu zu Wort gemeldet, der Direktor der Westfälischen Kinderklinik Dortmund, Prof. Dominik Schneider. Auch er prognostizierte jetzt schwere psychische und körperliche Störungen bei Kindern als Folge der Corona-Restriktionen. Der Mediziner fordert eine schrittweise Öffnung der Schulen. Abonniere jetzt: >> Die starke Stimme für deutsche Interessen

Quer durch alle Schichten hätten die Belastungen und Erkrankungen zugenommen, sagte Schneider im Deutschlandfunk. Als Beispiele nannte er depressive Störungen, Eßstörungen, Gewichtszunahme oder pathologisches Medienverhalten. In der Klinik würden Kinder behandelt, die kollabiert seien, weil sie nächtelang am Computer gespielt hätten. „Wir müssen wirklich die Stimme der Kinder hören“, sagte Schneider. Die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie seien für Kinder massiv. Von den drei sozialen Räumen Familie, Schule und Freunde oder Hobbys, in denen sich Kinder normalerweise bewegen, seien zwei weggefallen.

Auch kämen Kinder mit schweren Erkrankungen wie Diabetes oder Krebs deutlich später in die Klinik als zu Nicht-Pandemie-Zeiten. Teilweise seien sie in desolatem Zustand. Schneider: „Das liegt einfach daran, daß die Kinder nicht so gut im Gesundheitsnetz ­– in den Kinderarztpraxen oder in den Kliniken – gesehen werden. Sie sind einfach nicht da.“

Die Schulen sollten schrittweise wieder geöffnet werden, forderte der Chefarzt. An Schulen seien selten größere Corona-Ausbrüche vorgekommen, und Kinder erkrankten selten schwer an Corona. Notwendig seien intelligente Lösungen mit verläßlichen Lerngruppen und Testsystemen an Schulen. Dies erfordere Investitionen in Technik und Personal. Die bisherigen Maßnahmen wie Maske auf und geöffnete Fenster reichten nicht aus. (rk)

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