Berliner Verkehrsexperte: Wie deutsche Autobauer die Zukunft verschlafen
Berlin. Immer mehr Forscher attestieren dem Wirtschaftsstandort Deutschland eine düstere Zukunft. In den Chor der Kassandrarufer hat jetzt der Berliner Verkehrsforscher Professor Andreas Knie eingestimmt. Er prognostiziert geradezu ein Schreckensszenario für die deutschen Autobauer: die weltweit bekannten Vorzeigemarken VW, BMW, Mercedes und Audi werde es zwar künftig noch geben, allerdings würden sie nur noch ihre Stammwerke in Wolfsburg, Stuttgart, München und Ingolstadt betreiben – „alle anderen Standorte sind zu“, behauptet Knie in der „Frankfurter Rundschau“.
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Die Ursache für die galoppierende Krise sieht der Experte darin, daß die deutschen Autohersteller schon seit langem „den Anschluß an die Weltspitze verloren“ hätten. Sie bauten Autos wie vor 40 Jahren. „Im Mittelpunkt stehen die solide Hardware und der Verbrennungsmotor. Mittlerweile entscheidet aber die Software über den Gebrauchswert eines Autos, und batterieelektrische Antriebe stehen im Zentrum“, sagte der Mobilitätsexperte.
Auch bei der Automatisierung der Fahrzeuge falle Deutschland zurück. Knie, der derzeit Forschungsgruppenleiter am Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) ist und an der TU Berlin lehrt, wartet mit einer originellen Sicht auf die deutsche Autonation auf – seiner Einschätzung nach sind es weniger die kräftig gestiegenen Energie- und Lohnkosten, die den deutschen Automarken zum Verhängnis werden, sondern: „Es ist Phantasielosigkeit, die den deutschen Standort killt.“ Ein „besonders tragisches Kapitel“ ist es in seinen Augen, daß die deutschen Autobauer nicht frühzeitig in die E-Mobilität eingestiegen sind und stattdessen immer noch auf den Dieselmotor setzten.
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Nun fordert der Verkehrsexperte das Bundeswirtschafts- und das -verkehrsministerium auf, „gemeinsam zu überlegen, was für Deutschland unter den Aspekten Wertschöpfung, Jobs und Klima nützlich ist“, und Hilfen für die Autobauer danach auszurichten. Als Beispiel dafür sieht er den Inflation Reduction Act (IRA) der USA mit seinen steuerlichen Förderungen für Unternehmen. (rk)
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