Bahnfahren wie in der Dritten Welt: Sanierer wollen weniger Züge fahren lassen

Bahnfahren wie in der Dritten Welt: Sanierer wollen weniger Züge fahren lassen
Wikipedia/Sese_Ingolstadt, Rechte:

Berlin. Immer wenn man denkt, das Desaster bei der Deutschen Bahn könne nicht mehr größer werden, belehrt die Realität eines schlechteren. Jetzt wissen sich die Bahnchefs offenbar nicht mehr anders zu helfen, als kurzerhand den von Pleiten, Pech und Unpünktlichkeit geprägten Zuvergkehr auf deutschen Bahnstrecken einfach zu reduzieren. Das Zugangebot soll ausgedünnt werden.

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Das geht aus einer 110-seitigen Präsentation zum Sanierungsprogramm „S3“ hervor, die jetzt im Bahn-Aufsichtsrat vorgelegt wurde. Das Programm soll am 18. September beschlossen werden.

Einer der Schwerpunkte des Programms lautet: „Reduzierung überlasteter Knoten zur Stabilisierung des Betriebs“. Konkret bedeutet dies, daß in Städten mit „zu vollem Gleisnetz“ weniger Züge fahren sollen, um den üblichen Rückstau zu verhindern. Allerdings ist das nicht ohne eine Änderung der derzeitigen Regeln für Netzauslastung der Deutschen Bahn zu erreichen. Denn die zuständige Bundesnetzagentur fordert eine möglichst hohe Auslastung der Gleise. Wenn die Bahn Züge streicht, müssen die freiwerdenden Fahrzeiten an andere Bahnunternehmen vergeben werden.

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Das Sanierungsprogramm „S3“ kommt letztlich einem Offenbarungseid gleich. Um die Bahn attraktiv und zuverlässig zu machen, wäre nicht die Ausdünnung des Zugangebots vonnöten, sondern die längst überfällige Modernisierung und Instandsetzung des vorhandenen Streckennetzes. Doch das wurde von der Politik jahrzehntelang verschlafen. (rk)

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