Amerikanischer Ex-Offizier prognostiziert: Russische Großoffensive bis zum Dnjepr, wenn der Boden gefroren ist
Washington. Im US-amerikanischen Youtube-Kanal „Redacted“ interviewte Moderator Clayton Morris am Dienstag (Ortszeit) den US-Colonel i.R., Politikwissenschaftler, Militärtheoretiker und Berater Douglas Macgregor zur aktuellen Entwicklung im Ukraine-Krieg. Macgregor, der im Juli 2020 vom damaligen US-Präsidenten Donald Trump als neuer US-Botschafter in Deutschland nominiert (vom Senat aber nicht bestätigt) wurde, zerpflückte dabei nicht nur die westliche Berichterstattung über den Waffengang in der Ukraine, sondern prognostizierte auch eine dramatische Entwicklung.
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Macgregor resümierte zunächst, daß zu keinem Zeitpunkt des Krieges mehr als 20 Prozent der russischen Bodentruppen in der Ukraine aktiv gewesen seien, daß es jedoch gelungen sei, „die ukrainische Armee, die wir über mehrere Jahre aufgebaut hatten, zu einem großen Teil“ zu vernichten.
Mit den jüngsten Raketenschlägen habe die russische Seite demonstriert, „daß in der Ukraine nirgendwo etwas geschieht, ohne daß sie es wüßten. Nicht einmal in der westlichen Ukraine passiert etwas, ohne daß Moskau davon wüßte.“ Die Raketenangriffe, vermutet Macgregor, seien ein „kleiner Vorgeschmack“ dessen, „was im Herbst auf uns zukommen wird. Ich sage voraus, daß es großangelegte Bodenoffensiven der Russen geben wird, wenn der Boden erst einmal gefroren ist.“
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Anders als in der westlichen Medienberichterstattung dargestellt seien die Raketenschläge hochpräzise und wirkungsvoll gewesen. „Fraglos haben die Ukrainer nun ernsthafte Logikstikprobleme dabei, Dinge im Land hin- und herzubewegen. Plötzlich hat sich Rußland entschieden, daß genug einfach genug ist – und die vergangene Zurückhaltung aufzugeben“, analysiert Macgregor und geht davon aus, daß die ukrainische Seite in den letzten Monaten vermutlich bis zu 100.000 Gefallene und bis zu 400.000 Verwundete verloren habe.
Dann macht er eine bemerkenswert offene Feststellung zu den Zielen der US-Politik: „Das war einmal eine Armee von 600.000 Mann. Bedenken Sie: wir haben diese Armee über acht Jahre mit dem Ziel aufgebaut, Rußland anzugreifen. Dafür wurde sie geformt. Das ist der Grund, warum die Russen sie angegriffen haben. Außerdem wollten wir Raketen in der Ostukraine stationieren, mit denen wir Rußland hätten bedrohen können.“
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Für die russische Seite rechne sich die Kriegführung bislang – sie habe eine „ziemlich kostengünstige Verteidigung, während sich die Ukraine extrem teure Angriffe leistet. Die Ukraine befindet sich in einer sehr ernsthaften Krise. Sie könnte das nicht überleben. Speziell, wenn die zu erwartende Offensive der Russen im November losgeht, weiß ich nicht, was die Ukrainer noch dagegen machen wollen.“
Macgregor rechnet bereits in den nächsten Wochen mit energischen russischen Gegenangriffen. „Sie werden dann sehr hart und sehr tief zuschlagen. Alles, was sich in der Ukraine ihrem Vormarsch entgegenstellt, wird dann vernichtet werden. Das wird ihr Auftrag sein: Zerstörung und Vernichtung des Gegners. Wo werden sie mit ihrem Vormarsch aufhören? Ich nehme an, am Dnjepr. Sie waren nie daran interessiert, den Dnjepr zu überschreiten. Westlich des Dnjepr befindet sich die historische Ukraine. Das ist, wo die Ukrainer leben. Odessa wird an die Russen gehen, auch Charkow – und es gibt nicht viel, das wir dagegen tun können. (...) Odessa war immer eine russische Stadt, auch wenn heute dort etwa 50 Prozent Ukrainer leben, nachdem die Russen rausgedrängt worden sind. Dasselbe gilt für Charkow.“
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Die russische Seite werde in den nächsten Wochen „den Unsinn nicht länger mehr hinnehmen. Sie werden ihre Ziele verfolgen, wie Russen ihre Ziele immer verfolgen: methodisch ausgeklügelt und unnachgiebig.“
Macgregor lobt in diesem Zusammenhang ausdrücklich den neuen russischen Kommandeur in der Ukraine, Sergej Surowikin, „eine fähige Person“, der „für die Russen in Syrien hervorragende Arbeit geleistet“ habe. Die Übernahme seines Kommandos auf dem ukrainischen Kriegsschauplatz sei ein „Wendepunkt“ – „aber anders, als die ‚Washington Post‘ das verstanden wissen will“ (mü)
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