Am Tag danach: Viele offene Fragen zum Prigoschin-Absturz

Am Tag danach: Viele offene Fragen zum Prigoschin-Absturz
PMC Wagner/Telegram

Moskau. Nach dem vermutlichen Tod des russischen Söldnerführers und Chef der privaten Wagner-Armee, Jewgeni Prigoschin, ist noch kein klares Bild der Situation und des Hergangs der Ereignisse zu gewinnen. Bei dem Absturz am Mittwochabend sollen neben Prigoschin auch der Gründer der Wagner-Truppe, Dmitri W. Utkin, weitere Führungsmitglieder, zwei Piloten und eine Flugbegleiterin ums Leben gekommen sein. Nach Behördenangaben ist die Identifizierung der Leichen, die stark verstümmelt sein sollen, noch im Gange.

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Der derzeit am häufigsten verbreiteten Version der Ereignisse zufolge stürzte das Flugzeug, eine Embraer 135BJ Legacy 600, brennend zu Boden, nachdem sich zwei Explosionen ereignet haben sollen. Das Flugzeug befand sich auf dem Flug von St. Petersburg nach Moskau. Das Unglück ereignete sich in der Region Twer.

Über die Unglücksursachen kursieren derzeit die verschiedensten Mutmaßungen. So ist von einem gezielten Abschuß ebenso die Rede wie von einer irregeleiteten Flugabwehrrakete oder einem technischen Defekt. Die Embraer 135BJ Legacy gilt als zuverlässiges Flugzeug, allerdings soll der brasilianische Hersteller im Zuge der Rußland-Sanktionen keine Wartungs- und Servicearbeiten mehr an russischen Maschinen vorgenommen haben.

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Am Donnerstagabend bestätigte Kremlchef Putin Prigoschins Tod indirekt, ohne ihn beim Namen zu nennen. Er sprach den Angehörigen der Verunglückten sein Beileid aus.

Zur Ursache des Absturzes gibt es noch keine offiziellen Verlautbarungen. Auf Telegram-Kanälen werden unterdessen Videos verbreitet, die an den Wrackteilen des Jets Schrapnell-Löcher zeigen, wie sie durch die Explosion von Luftabwehrraketen in der Nähe eines Objekts erzeugt werden. Einflußreiche Kreml-Unterstützer glauben – ausweislich ihrer Verlautbarungen in den sozialen Medien – an ein Attentat. Die USA gehen Insidern zufolge von einem Abschuß des Flugzeugs aus. US-Präsident Joe Biden wird mit den Worten zitiert: „Ich weiß nicht genau, was passiert ist. In Rußland passiert nicht viel, hinter dem Putin nicht steht.” Die EU wollte den Vorfall vorerst nicht kommentieren.

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In den sozialen Medien wird auch emotional über die Kaltblütigkeit der angeblichen  „Neutralisierung“ des Wagner-Chefs diskutiert. Dieser sorgte zuletzt vor fast genau zwei Monaten mit seinem Putschversuch für weltweite Schlagzeilen, an dem ebenfalls nach wie vor vieles rätselhaft ist. Prigoschin kündigte noch vor wenigen Tagen in einer neuen Videobotschaft aus Afrika an, daß er dort mit seiner Truppe künftig wieder verstärkt für Rußlands Interessen kämpfen werde – mutmaßlich im sich abzeichnenden Niger-Konflikt.

Beobachter weisen im übrigen darauf hin, daß Prigoschin vor vier Jahren schon einmal bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sein soll – am 11. Oktober 2019, als der Söldner-Chef an Bord eines Militärflugzeuges sein sollte, das im Kongo abstürzte. Später tauchte er jedoch in einem Video auf – die Meldung über seinen Tod stellte sich als falsch heraus. Bereits damals hatte der Wagner-Chef Doppelgänger und besaß zahlreiche Pässe mit unterschiedlichen Namen. (mü)

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